200 W Modification for TS-590 – Teil 1

Foto

Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da?

Der TS-590 hat einen guten Empfänger, doch der Sender hat ein Problem. Ihm fehlt es in SSB an Punch, an Talk Power. Dem einen mehr, dem anderen weniger, je nach Herstellungsdatum.

In den einschlägigen Foren wird denn auch immer wieder darüber diskutiert. Doch nur wenige Funkamateure scheinen das Problem wirklich verstanden zu haben. Hier einige Zitate zur Illustration:

“From what I can find a TS-590 is a 100 watt rig. You might be able to get 120 watts out of it but it would be kind of like stretching a rubber band around your car.”

“If you are looking for more deflection of the power meter, then you probably need another meter, preferably one that shows Peak Envelope Power (PEP)”

“Buy a linear amplifier”

“I want to know what’s wrong with the “talk power” of the radio as it is. If you’re having issues being heard, it’s not the power output of the radio you need to be looking at.”

“Your problem might be as simple as trying another type of microphone.”

“Buy a proper peak hold power meter for measuring SSB”

“This subject has been beaten to death a number of times! My TS590 has never had
a “power problem” because I have a linear amplifier. I am allowed a kilowatt in
my country.”

“Every time I whistle into my mic when the rig is set at 100Watts, it ALWAYS shows 100Watts and a little more on my PEP Watt Meter.”

“Sorry, but I see no evidence of low output power or “talk power” on SSB. If you
are within specs on power output on CW, then seeing lower than rated power on a
true peak-reading power meter is most likely the fault of your mic or the
settings for the audio and speech processor on the rig…or of the watt meter.”

“I have had my TS-590 since Feb 2011 and it has performed wonderfully with my
solid state amplifier and the rig puts out 100 watts SSB PEP on all bands.
Simply a great transceiver at a reasonable price.”

Viele verwechseln Spitzenleistung mit durchschnittlicher Sprechleistung, in Engelskreisen auch PAR genannt (Peak to Average Ratio), und nur wenige realisieren, dass zwei Sender bei der Gegenstation ganz unterschiedliche Rapporte erhalten können, obwohl sie beide 100W PEP haben und die gleiche Antenne benutzen.

Denn die Stärke des empfangenen SSB-Signals hängt nicht vom Spitzenwert ab, sondern vom Durchschnittswert.

Und in dieser Disziplin wird der Kenwood TS-590 von vielen, vor allem älteren Geräten, um Längen abgehängt. Dabei geht es nicht nur um ein halbes Dezibel. Der Unterschied beträgt bis zu 10dB. Das entspricht dem Leistungszuwachs eines 1kW Linearverstärkers.

Ein oft gehörter Ratschlag in den Foren lautet (siehe oben):

„Kauf dir ein gutes PEP-Meter“

Doch wie gesagt: Das Problem heisst nicht PEP und bei den meisten Sendern entspricht die CW-Leistung auch der PEP-Leistung in SSB. Es genügt also, die Leistung in CW zu messen. Und das bringen auch billige SWR/Leistungsmesser zustande :-)

Meine beiden SWR-Brücken, die CN-801 und die SX-1000 können zwar PEP, aber ich benutze diese Funktion praktisch nie und es ist mir auch egal, wie genau die PEP-Anzeige ist. Die CW-Anzeige habe ich jedoch mit einem Bolometer geeicht.

Mittlere Sprechleistung kann man mit einem SWR-Meter nicht genau messen und jedes Instrument zeigt etwas anders an. Aber man kann damit Geräte vergleichen. Und da kommen einem beim Woody die Tränen.

Die japanischen Ingenieure hätten das Problem der niedrigen durchschnittlichen Sprechleistung schon längst gelöst, wenn sie es gekonnt hätten – vorzugsweise natürlich per SW update. Doch in die ALC scheint sich ein gröberer Designfehler eingeschlichen zu haben. Je höher die Sprechleistung, desto ausgeprägter der Überschwinger beim Tasten des Senders, bzw. nach jeder Sprechpause.

Das mögen moderne Linearendstufen nicht. Ihre Schutzschaltungen sprechen an und schalten das Teil aus.

Darum blieb den Kenwood-Ingenieuren nichts anderes übrig, als den Woody zu kastrieren.

Und so geistert das Problem bis heute in den Foren herum und die Funkamateure geben dazu ihren Senf, obwohl die meisten die Wurst nicht kennen. Andere verkaufen entnervt ihren TS-590, nachdem sie bemerkt haben, dass ihre alte Jäsu-Schwarte die besseren Rapporte bringt.

Gewiefte Tüftler giessen dazwischen immer wieder Öl ins Feuer mit Vorschlägen für Hardware-Modifikationen und Änderungen im Service-Menü.

Sie heimsen dabei jeweils einen Shitstorm aus der Community ein. Das geht sogar so weit, dass bei Mods.dk interveniert wird: Man solle doch den Unsinn entfernen, der da vorgeschlagen werde.

So geschehen mit der legendären 200W-Modifikation von PU3DXX.

Im nächsten Teil werde auch ich einen Shitstorm riskieren und aufzeigen, wie der Old Man aus dem Woody ein wirklich heisses Teil machen kann, und der Transceiver „seine Stimme wiederfindet“ (gemäss Robert DL1SDX). Stay tuned.

73 de Anton

PS. Mein Dank geht insbesondere an DL1SDX für den Erfahrungsaustausch. Robert hat mich dazu motiviert, nochmals bei meinem TS-590 das Blech abzuschrauben.

Bild: Der Antennenturm, ein Kunstwerk der Tochter von HB9EXF

About these ads

3 Antworten zu “200 W Modification for TS-590 – Teil 1

  1. wenn es den LEGO Funkturm zu kaufen gäbe, ich würde einen Kasten nehmen… der ist ja richtig cool.

  2. Hallo Anton,

    nur weil zwei RD100HHF1 verbaut sind bedeutet nicht, dass man z.B. auch 200W entnehmen kann bzw. soll, zumindest nicht im Linearbetrieb. Aus gutem Grund hat der Hersteller die MOSFET-Gegentaktanordnung nur für 100W PEP spezifiziert. Glaubst du Kenwood würde es versäumen in den technischen Daten werbeträchtige 200W PEP anzupreisen wenn das möglich wäre? Beim TS-480HX musste man für 200W PEP immerhin auf 4 Leistungstransistoren zurückgreifen.

    Die IM-Produkte des Senders sind schon im Originalzustand leicht unterdurschnittlich. Bei eingeschaltetem Kompressor wird es nur noch schlimmer. Stell dir vor wie breit und verzerrt dein Signal wird wenn die Endstufe plötzlich doppelte Leistung erbringen muss. Eine 200W PA-Modifikation ist nunmal Quatsch.

  3. Anton,
    bringst du auch noch etwas Messtechnik in der Beitragsfolge? Mit 2-Ton Generator, Dummyload, Abschwächer oder Richtkoppler und einem besserer SDR müsste man schon recht weit kommen.
    Viel Spass.