Beacon Spotting

Nein, dabei geht es nicht darum, über Baken zu spotten. Wieso auch? Funkbaken gehören zu den nützlichsten Einrichtungen im Amateurfunk. Sie erlauben es den Funkern die Ausbreitung zu beobachten und helfen dem einsamen Bastler auf den Mikrowellenbändern sich zurecht zu finden. Beim Beacon Spotting geht es darum, Baken zu beobachten und zu melden. Ist das Netz der Spotter dicht gewoben, ergibt sich daraus ein gutes Bild der herrschenden Ausbreitungsbedingungen. Überreichweiten auf den höheren Bändern vergehen so nicht ungenutzt. Ein solches Netz findet man hier für Baken von 50 MHz bis in den Mikrowellenbereich.  Interessant ist die Darstellung der Baken – die sonst üblicherweise nur auf Listen zu finden sind – auf einer Europakarte. Man kann auf ein bestimmtes Gebiet zoomen und beim Anklicken der Baken erhält man Informationen über Frequenz, Leistung, genauen Standort, Betreiber und Status. Beacon Spotting ist auch für SWL’s eine interessante und nützliche Aufgabe.

73 de Anton

Bild: Monte Lema, Tessin

Bevorzugt das BAKOM eine kleine Gruppe von Funkamateuren?

Zitate aus einem Segler-Forum:

“Zum Glück operiert der Maritime Mobile Amateurfunkverkehr zum großen Teil aus internationalen Gewässern und ist deshalb von den rückständigen Gesetzen der Telekom/Postzone nicht betroffen. Maritime Mobile-Stationen mit DL Rufzeichen dürfen also ganz legal WinLink© E-Mail senden und empfangen, wenn sie mit einem MBO außerhalb der BRD in Verbindung sind.”

“Jedem, dem die Deutsche Lizenz zu schwer oder zu aufwendig ist sei gesagt, daß man auch als nicht US-Bürger außerhalb der Vereinigten Staaten eine gültige US-Lizenz erwerben kann.”

Und an anderer Stelle auf einer Seglerseite:

Da die Installation einer Amateurfunkanlage nicht ganz einfach und das Thema für viele ein Buch mit sieben Siegeln ist, haben wir die Informationen recht umfangreich dargestellt. Uns ging es vor der Abfahrt übrigens genauso und deshalb haben wir die Zusammenstellung der Komponenten und die Installation von einem Fachmann durchführen lassen.

Winlink und Winmor sind Pactor-Betriebsarten, die Email übers Internet ermöglichen. Der Zugang erfolgt über unbediente Stationen im Kurzwellenbereich auf der ganzen Welt

Für DX-Expeditionen ist heute ein Internet-Zugang de facto Standard. Damit verfügen die Teilnehmer u.a. über aktuelle Ausbreitungsprognosen und können ihr Logbuch online stellen. Dagegen ist meines Erachtens nichts einzuwenden. Der Internet-Zugriff hat ja ausschliesslich mit Amateurfunk zu tun.

Anders sieht es bei den Besitzern von Hochseeyachten aus. Hier ist der Amateurfunk und damit der Internet-Zugang über Kurzwelle eine günstige Alternative zu den kommerziellen Diensten.

Dass die Segler nur reine Amateurfunkinfos austauschen und kurze Grüsse an ihre Freunde mailen, glauben nur OM’s, die auch glauben, Zitronenfalter würden Zitronen falten und Volksvertreter würden das Volk vertreten. Ich vermute, viele Yachtbesitzer machen nur eine Amateurfunkprüfung um gratis funken und mailen zu können.

Doch was sagt unsere Behörde, das BAKOM, dazu. Gemäss Artikel 33 FKV ist der Fall klar:

 Wer eine Amateurfunkkonzession besitzt, darf die Funkanlage nur benützen zur Übertragung technischer Informationen über Sende- und Empfangsversuche sowie für persönliche Mitteilungen und Mitteilungen in Notfällen.

Nicht zulässig sind insbesondere:

b) die Übertragung von Informationen die von Dritten stammen oder für Dritte bestimmt sind, sofern nicht alle Beteiligten Funkamateure sind.

Das ist eindeutig. Doch liest man in den Vorschriften zum Amateurfunkdienst weiter, so stösst man auf folgenden Passus:

 2.5 Verbindungen mit dem Internet über Amateurfunkstationen

Bewilligungen für das Errichten von Amateurfunkanlagen, die einen Zugang ins Internet ermöglichen, werden nur Amateurfunkvereinen erteilt.

Der Abruf von öffentlich zugänglichen Informationen aus dem Internet und die Übermittlung und der Empfang von persönlichen, nicht kommerziellen E-Mails, SMS oder FAX sind zulässig. Nicht zulässig hingegen sind rechtsgeschäftliche Mitteilungen sowie die Vermittlung von Informationen von Dritten an Dritte. Die Station darf nicht für kommerzielle Zwecke benutzt werden. Die Funkamateure, welche die Station benutzen, sind für das Einhalten der Vorschriften verantwortlich.

Ja was jetzt? Darf ich die Börsenkurse abrufen und online Zeitung lesen? Plötzlich sind Informationen an Dritte und von Dritten zulässig? Nur noch Meldungen von Dritten an Dritte ist verboten, also das blosse Übermitteln. Das „oder“ wurde fallen gelassen. Ich denke nicht, dass das ein Fehler im Wording ist, im BAKOM wimmelt es nur so von Juristen.

Der kleinen Gruppe von Funkamateuren, die Winlink und Winmore nützen – geschätzt <2% – gesteht das BAKOM also Sonderrechte zu? Was hat das mit Amateurfunk zu tun, wenn ich meine Börsenkurse auf 14 MHz bekomme und der Grossmutter einen Brief schreibe? Oder wenn ich auf dem Campingplatz über Winlink maile, um Handy-Kosten zu sparen?

Wieso werden Hunderte von Frequenzen auf den engen Kurzwellenbändern mit automatischen Stationen zugepflastert, die keine Rücksicht auf laufende QSOs nehmen und einfach losrattern? Wieso wird eine Betriebsart erlaubt, bei der man ein teures patentiertes Modem einer einzigen Firma kaufen muss? Wieso wird die Konkurrenzierung kommerzieller Land- und Seefunkdienste zugelassen.

Da muss man doch unweigerlich zum Schluss kommen, dass da eine starke Lobby gewirkt hat, um die Fernmeldebehörden zu überzeugen, die Regeln aufzuweichen und einer Gruppe von Funkamateuren Sonderrechte zuzugestehen.

Wie dem auch sei, die USKA kann’s auf jeden Fall nicht gewesen sein. Ihre Lobbykompetenz ist m.E. recht kümmerlich, sonst wären wir Schweizer kaum das Schlusslicht bei der Erlaubnis auf neuen Frequenzen zu experimentieren (9kHz, 500kHz, 5MHz, 70MHz, 3GHz usw.)

73 de Anton

PS. Ich bin selbst Segler und Amateurfunk vom Boot aus ist wunderbar. Solange nicht plötzlich eine automatische Station das CW QSO stört.

5 MHz

Immer mehr Länder gewähren ihren Funkamateuren Zugang zu Frequenzen im Bereich um 5 MHz. Wie im 5MHz-Newsletter Nummer 1 von G4MWO zu lesen ist, erwarten auch die kanadischen Funkamateure eine Freigabe diesen Herbst. Die Regulierungsbehörden haben bereits Wohlwollen signalisiert. In manchen Ländern werden nur einzelne Frequenzen (Kanäle) zugeteilt, wie neuerdings in Bahrein (5373 und 5405 kHz), in anderen Ländern kann ein ganzes Frequenzband benutzt werden. Die Norweger gehören zu diesen Glücklichen. Sie dürfen im Bereich 5260 – 5410 kHz funken.

Das 5 MHz Band eignet sich sehr gut für kurze bis mittlere Distanzen und könnte auch in der Schweiz eine Lücke füllen, wenn die Tagesdämpfung auf 80m zu hoch ist und 40m wegen einer toten Zone für kurze Distanzen (NVIS, Near Vertical Incidence Skywave) ) ausfällt. Das könnte insbesondere im Notfunk eine wichtige Rolle spielen. 5MHz schafft praktisch jeder Transceiver mit einem kleinen Eingriff zur Frequenzerweiterung und die vorhandenen Antennen können mit einem Antennentuner angepasst werden. Im Gegensatz zum 500 kHz Band, das für den Funkamateur eine grössere Herausforderung darstellt. Trotzdem wäre es unvernünftig, bei der Diskussion um zusätzliche Frequenzen die beiden Bänder gegeneinander auszuspielen. 500 kHz ladet zum Experimentieren ein und entspricht der Natur des Amateurfunkdienstes als Experimentalfunk, 5 MHZ ist praktischer, entlastet das 80m Band und ist für den Notfunk wichtig.

73 de Anton

Bild: Monte Generoso im Tessin, 1701m, Baken- und Relaisstandort

Super-Sonnensturm bedroht die Zivilisation

Der bisher stärkste Sonnensturm in der Neuzeit ereignete sich 1859, Ende August – Anfang September. Er ist auch bekannt unter dem Namen Carrington Event. Richard Carrington, ein englischer Astronom,  beobachtete damals den Ausbruch und berichtete über das Ereignis. Der Magnetsturm war so stark, dass die Telegrafenverbindungen zusammenbrachen, an den Isolatoren der Leitungen Funken sprühten und das Papier in den Morseschreibern in Brand geriet. Nordlichter konnten rund um den Globus beobachtet werden, unter anderem in der Karibik. Die Nordlichter waren zum Teil so hell, dass die Menschen Zeitung lesen konnten und glaubten, der Morgen sei schon angebrochen.

Die Zeitschrift New Scientist beschreibt nun in einem Artikel, was passieren würde, wenn  heutzutage ein solch starker Sturm die Erde treffen würde.

Innerhalb neunzig Sekunden würde die Stromversorgung zusammenbrechen, die meisten Satelliten  würden unwiderruflich zerstört, das Internet und Telefonnetz würden zusammenbrechen. Die Folgen für die Wirtschaft wären katastrophal und wir würden innert Minuten ins 19. Jahrhundert zurück versetzt. Fernseher, Handy, GPS und Internet tot, der Bankomat ebenso wie das Netz für die EC-Kartenleser. Fabriken und Verwaltungen stünden still. Höchstens noch Kleinbetriebe wie Schmieden könnten arbeiten. Der Eisenbahnverkehr würde still stehen, Flugzeuge könnten nicht mehr fliegen und die Autos müssten sich ohne Ampeln durch die Stadt schlagen. Die Polizei und Feuerwehr wären ohne Funknetze. Schliesslich würde die Lebensmittelversorgung nicht mehr funktionieren. Vermutlich würden aufgrund des ausbrechenden Chaos viele Menschen sterben.

Nur wir Funkamateure könnten noch funken, natürlich mit Batterien und wenn wir vorgesorgt und Antenne und Netzstecker rechtzeitig abgezogen hätten.

Doch das Schlimmste kommt noch: der New Scientist, dessen Artikel auf einem NASA Report beruht, rechnet mit einer Erholungszeit von 10 Jahren! Nicht zuletzt aufgrund eines Mangels an Ersatzteilen.

Ich denke nicht, dass unsere Notfunknetze (TETRA, Polycom) einen erneuten Carrington Event überstehen würden. Je komplexer die Netze, je komplizierter die Apparaturen, desto eher fallen sie aus. Und wir Funkamateure sollten uns überlegen, wie lange und wie wir in einer solchen Situation Notfunkverkehr aufrecht erhalten könnten. Wie weiter, wenn die Batterien leer sind und das Benzin für die Aggregate verbraucht ist?

Rechne mit dem Schlimmsten und hoffe das Beste :-) 73 de Anton

Bild: Der alte Biennophone würde zwar noch laufen, vorausgesetzt er hätte noch Strom und irgendwo gäbe es noch einen funktionierenden Mittelwellensender.

Ein dicker Hund

Antennen für WLAN’s auf 2.4 GHz gibt es zuhauf. Wer mit einer selbst gebauten Büchsenantenne nicht zufrieden ist, der bekommt auf Ebay für eine Handvoll Dollar einen tollen Richtstrahler und jede Menge Gewinnversprechen. Im wesentlichen werden zwei Typen angepriesen: Parabolischer Gitterreflektoren und Yagis. Was bei den Yagiantennen aus China auffällt, ist der grosse Elementdurchmesser im Verhältnis zur Länge der Elemente. Sie sind quasi das Gegenteil zu den dünnen Edelstahlstäbchen der Flexa-Yagis. Doch wieso? Wegen der hohen Frequenzen? Und was ist besser: dünn oder dick?

Wie so oft lautet die Antwort: “Das kommt darauf an?”

Flexa-Yagis sind mit ihren dünnen Elementen unauffällig, leicht und bieten wenig Windlast. Doch dünn hat auch Nachteile: Wegen des Skineffekts fliessen die HF-Ströme nur auf der Oberfläche. Im Mikrowellenbereich bei 2.4 GHz beträgt die Eindringtiefe noch etwa einen Mikrometer. Und da in den Direktoren und Reflektoren einer Yagi auch (induzierte) Ströme fliessen, bedeutet das bei dünneren Elementen höhere Verluste. Zudem sind die “dünnen” Yagis viel anfälliger gegen den Feuchtigkeitsfilm bei regnerischem Wetter. Einige schmalbandige Yagis werden sogar so stark verstimmt, dass sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Den Dickhäutern macht Regen viel weniger aus. Ausserdem sind sie breitbandiger und erlauben höhere Fertigungstoleranzen.

Diese letzten beide Punkte dürften die Gründe dafür sein, dass die Chinesen-Yagis so dicke Elemente besitzen.

Wie dem auch sei, ich habe vergangene Woche einen “Dickhäuter” für das 23cm gebaut. Eine kurze Yagi von einem Meter Länge, berechnet mit dem Programm von VK5DJ  nach DL6WU. Genaue Gewinnmessungen kann ich zwar nicht machen. Aber im Vergleich zu meinen anderen (unter anderen gekauften) Yagis schlug sie sich gut. Im folgenden Bild ist die Einspeisung zu sehen mit einer Umwegleitung aus UT-141 zur Impedanzanpassung.

73 de Anton

Bild: seltsame Gestalten bewegen sich im Haus Schloss des Operateurs

OAM, die Antennenpolarisation von Raumschiff Enterprise?

Orbital Angular Momentum, OAM,  heisst eine neue Polarisationsart, die zuerst im Bereich des Lichts entdeckt wurde und mit der jetzt auch Funkversuche gemacht werden. Sie ermöglicht angeblich eine Mehrfachnutzung der gleichen Frequenz. Bis zu 100 Sender könnten die gleiche Frequenz benutzen, ohne einander zu stören, glauben Forscher, die sich mit OAM befassen.

Bisher kannte man die lineare Polarisation (horizontal, vertikal) und die zirkulare Polarisation (links oder rechtsdrehend). Bei OAM jedoch, drehen sich die Funkwellen wie in einem Tornado, stark vereinfacht ausgedrückt. Wird die Winkelgeschwindigkeit des Vortex beim Empfang berücksichtigt, können damit angeblich Signale getrennt werden, die auf der gleichen Frequenz senden.

Erzeugt wird OAM, indem die Antenne während der Sendung in Umdrehung versetzt wird. Was vernünftigerweise elektronisch geschieht.

Ja, ich weiss, das tönt alles ein wenig wie Raumschiff Enterprise. Und wenn man die Bilder sieht, die anlässlich eines Versuchs gemacht wurden, der ein italienischer Professor in Venedig durchgeführt hat, wird dieser Eindruck noch verstärkt. Andererseits stösst man auf Seiten wie diese, die einen seriösen Eindruck machen. Ausserdem sind wir noch weit vom 1. April entfernt.

Hier ist ein Blog, das sich intensiv mit OAM befasst.

Vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, an dem uns nach EH, Roomcap und Ofenrohrantenne eine neue Wunderantenne präsentiert wird, ein OAM-Beam :-)

73 de Anton

Bild: Niederhorn im Berner Oberland. Der Berg im Hintergrund ist der Niesen. Beides sind Relais-Standorte.

Funken ohne Antenne

Was noch als Amateurfunk bezeichnet werden darf und was nicht, darüber scheiden sich die Geister. Für einige ist bereits Echolink kein Amateurfunk mehr. Andere sehen das nicht so eng und “funken” mit Hamsphere rund um den Globus. Oder mit dem Konkurrenzprodukt CQ100. Lustig ist dabei, dass die beiden Systeme nicht untereinander kommunizieren können. Hamsphere und CQ100 leben quasi auf verschiedenen Planeten :-)

Glücklicherweise können sie auch nicht mit Funkern in den wirklichen Bändern in Verbindung treten. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Ich habe nichts gegen virtuelles Funken. Das schafft Platz auf den echten Bändern. Aber ich würde nie behaupten, dass ich fliege, wenn ich am Flugsimulator sitze. Beide Systeme sind nichts anderes als Funksimulationen.

Heute hatte ich ein QSO mit F8ZW in Strasbourg auf 23cm in SSB, 200km quer über die Juraberge und Hügel hinweg. Von Antenne zu Antenne. Solche QSO’s möchte ich um nichts in der Welt missen. Sie sind durch keine Simulation zu ersetzen.

73 de Anton

Bild: Die Nordwand des Eigers. Interessantes Detail: Die Jungfraubahn führt im Innern dieser Felswand auf das Jungfrau hoch. Mitten in der Wand befindet sich eine Haltestelle mit Aussichtsfenstern.

Aller guten Dinge sind drei

Neben D-Star und P25 gibt es noch ein weiteres System zur digitalen Sprachübertragung (DV*), welches auf den VHF/UHF-Amateurfunkbändern eingesetzt wird. Es heisst MotoTRBO, bzw. DMR und wurde von Motorola entwickelt. In der Tat verfügen die Funkamateure unter den Mitarbeitern von Motorola über eine Reihe von Relaisstationen in Deutschland und den USA, die untereinander übers Internet verbunden sind. Zum Beispiel auf dem Grossen Feldberg im Schwarzwald Taunus. Die verwendeten Funkgeräte sind natürlich von Motorola, da es noch keine Amateurfunkgeräte für diesen Standard gibt. DMR/MotoTRBO hat zwei entscheidende Vorteile gegenüber ICOM’s D-Star, und die liegen im Modulationsverfahren TDMS. Dank diesem “Zeitschlitz-Verfahren” können auf dem gleichen Kanal (12.5kHz) gleichzeitig zwei Gespräche über die gleiche Relaisstation geführt werden. Und da die Geräte nicht dauernd Vollstrich fahren, sondern in Zeitschlitzen senden, brauchen sie weniger Strom. Das ermöglicht Handfunkgeräten eine 40% längere Betriebszeit mit dem gleichen Akku.

All die digitalen Modulationsverfahren haben einen wichtigen Vorteil gegenüber herkömmlicher FM: Die Empfangsqualität ist bis zur Empfindlichkeitsgrenze ausgezeichnet und praktisch rauschfrei. Wenn FM-Signale stark verrauscht ankommen und eine Verständigung ermüdend ist, bleibt das DV-Signal klar und deutlich. Erst auf den letzten zwei dB ist das FM-Signal der digitalen Modulationsart überlegen. Während DV schlagartig abreisst und der Empfänger stumm bleibt, können bei FM die Worte dank den Fähigkeiten des menschlichen Ohres noch aus dem Rauschen “gegrübelt” werden. Aber schliesslich sind weder FM noch DV Betriebsarten für schwache Signale. Da hat SSB eindeutig die Nase vorn. Sowohl FM wie auch DV leiden übrigens unter Mehrwegausbreitung. Bei FM führt das zu Verzerrungen, bei DV zu Alien-Sprache, hi.

Wir sind aber noch weit entfernt, alle auf DV umzusteigen. Dazu müssten sich die Hersteller auf einen gemeinsamen Standard einigen und einen Codec benutzen der offen und Lizenzfrei ist. Im Codec, der sowohl in Hardware (ein Chip) wie auch als Software vorliegen kann, wird die Art der Sprachverschlüsselung festgelegt.

Bei D-Star, das übrigens von ICOM patentiert wurde, ist der Codec (Hardwarelösung) trotz aller Beteuerungen nicht offen und frei. Das ist auch ein Grund warum D-Star in Frankreich illegal ist. DMR hingegen, das vom europäischen ETSI entwickelt wurde, ist lizenzfrei.

Wie wir sehen, ist das Rennen also durchaus noch offen.

73 de Anton

Bild: Eiger, Mönch und Jungfrau (von links nach rechts) von meinem QTH aus. Im Joch zwischen Mönch und Jungfrau ist das Observatorium auf der Sphinx zu erkennen (23cm Relais, 70cm Bake)

* DV = Digital Voice

YAESU Digital

Auch Nordamerika hat sein digitales Bündelfunkprojekt für BOS Dienste, wie TETRA in Europa. Dort heisst es Project 25 oder kurz P25. Selbstverständlich ist es nicht TETRA-kompatibel. Motorola ist natürlich auch dabei, und jetzt kommt der Clou: Bekanntlich wurde ja Vertex (Yaesu) von Motorola geschluckt, und was sah man an der Hamfair in Tokio Ende August? Ihr habt’s erraten: Ein Dualbandhandy mit Digital Voice im P25 Standard. Es scheint, dass da nach D-Star noch ein weiteres Digitalsystem auf uns zukommt. Und natürlich sind die beiden nicht kompatibel. Das kann ja heiter werden!

73 de Anton

Bild: Bahnhof in Ystad, Schweden

Der Kurzwellen-Rundfunk verliert weiter an Boden

Nach der BBC bleibt auch die Voice of America, VOA, von Sparzwängen nicht verschont, wie der neue Direktor David Ensor in einem Interview mit NPR sagte. Nächsten Monat sollen die Kurzwellensendungen nach China in Mandarin und Kantonesisch eingestellt werden. Die Kurzwelle sei in China nicht mehr populär, die VOA wolle deshalb anstelle der Kurzwelle Satellitenfernsehen und die neuen Medien wie Facebook und Twitter nutzen. Nur noch in Afrika und Nordkorea könnten mit der Kurzwelle noch viele Menschen angesprochen werden. David Ensor erwartet deshalb weitere Einschnitte beim Kurzwellendienst der VOA.

73 de Anton

Bild: Peter, HB9CCZ, schiesst Fotos für seine Bornholm-QSL.