Wir bohren ein grosses Loch in unser neues Gerät

Das macht Spass, dient aber auch einem guten Zweck. Ich spreche vom IC-910H:

Im Normalfall kann man den Referenzoszillator einfach nachgleichen, indem man den Bodendeckel abschraubt und mit dem Abgleichbesteck durch ein Loch in der Abdeckung der PLL-Platine den Trimmer des Oszi verstellt. Das geht rasch und schmerzlos. Hat man jedoch den Quarzofen eingebaut, den CR-293, befindet sich das Abgleichloch am falschen Ort und man muss die Abschirmung der PLL-Unit losschrauben. Doch das geht nur, wenn man vorgängig die 23cm Unit demontiert und eine eventuelle DSP. Darum ist ein Zusatzloch ganz praktisch. Wie ihr sehen könnt, bin ich jedoch kein Meister im Löcher bohren:

Dafür bohre ich grössere Löcher :-)

Wenn die Kiste schon mal offen ist, wäre es schade, nicht zu profitieren. Also wird flugs noch der Frequenzbereich des Empfängers erweitert. Den Sender lassen wir aber lieber in seinen Grenzen. Old Man will ja der Polizei nicht dreinreden. Hinter der Frontplatte, von vorne gesehen rechts oben, befinden sich eine Reihe Dioden:

Mit einer feinen, heissen (RoHS!) Lötspitze werden die Dioden 5,6 und 7 einseitig ausgelötet und gelupft. Und schon empfängt man von 136 – 174 MHz, von 420 – 480 MHz und von 1240 – 1320 MHz. Ein Reset des Gerätes ist nicht notwendig.

Happy modification. 73 de Anton

Je komplizierter, desto besser?

Es sieht ganz so aus, als würde uns finanzmässig ein heisser Herbst bevorstehen. “Gott schütze meine Bank” hat heute ein Spassvogel in einem Forum geschrieben.

Ganze andere “Spassvögel” waren vermutlich am Werk, als letztes Wochenende in Dortmund das DAB+ Radio abgeschaltet wurde. Es störte nämlich den Polizeifunk. Uns Funkamateure wundert das nicht. Denn der Polizeifunk sitzt gerade neben dem Frequenzbereich des DAB. Da braucht es nur etwas Power und wenig übersteuerungsfeste Handfunken und schon ist der Ofen aus. Polizei 168-174 MHz, DAB 174-230 MHz. Allerdings müssen die Frequenzwahl sehr ungünstig, die DAB-Leistung hoch, der Antennenstandort fraglich und die Polizeihandys grottenschlecht sein, damit man das Radio abschalten muss um die Polizei beim Funken nicht zu stören. Da waren wohl “Experten” am Werk.

Mit der Einführung des digitalen Polizeifunks (TETRA) werde das nicht mehr vorkommen, liest man in den Zeitungen. Vom Frequenzbereich her mag das stimmen, denn der TETRA-Bündelfunk liegt im unteren UHF-Bereich, unterhalb unseres 70cm-Bandes.

Bei diesen digitalen Funksystemen weiss der Benutzer nicht mehr, auf welcher Frequenz er funkt, diese wird ihm automatisch und dynamisch von der Leitstation zugewiesen, welche die entsprechende Funkzelle kontrolliert. Am besten erkläre ich das an einem Beispiel: Stellt euch vor, ihr hättet nur noch eine Handfunke und diese hätte nur vier Bedienungselemente. Einen Einschaltknopf, einen Lautstärkeregler einen CQ-Knopf und eine Tastatur. Wenn ihr CQ rufen wollt, drückt ihr den Knopf, wenn ihr eine bestimmte Station anrufen wollt, tippt ihr das Rufzeichen in die Tastatur. Wenn ihr CQ-Rufe hören wollt, drückt ihr CQ und wählt die Region auf der Tastatur. Euer Transceiver ist mit einer Leitstation in der Nähe verbunden, wo all die grossen Kisten und die schönen Antennen stehen, die euer Nachbar oder eure XYL nicht wollen, weil sie Kopfweh machen. Diese vollautomatische Station wählt für euch die passenden Frequenzen, Betriebsarten, Antennen etc. Wenn die Leitstation euch nicht empfangen kann, weil ihr im Weinkeller seid oder gerade alle Frequenzen voll sind, ertönt ein Besetztzeichen. Aber wieso es mal nicht klappt, da habt ihr keinen Schimmer. Das ganze System ist eine riesige Blackbox, die nur ein paar Cracks von der IT verstehen.

Das mit den grossen Kisten und schönen Antennen ist natürlich nur eine Illusion und ich habe sie ins Spiel gebracht, um den schönen Schein zu wahren. In Wirklichkeit verbindet euch die Leitstation mit anderen Leitstationen übers Internet. So wie bei D-Star.

Übrigens bekommt auch die Schweiz ihr Bündelfunksystem. Das heisst aber nicht TETRA, sondern POLYCOM und ist eine nicht kompatible Extrawurst, weil es nicht auf dem Standard TETRA sondern auf dem Standard TETRAPOL basiert. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.

Sind damit alle Probleme gelöst? Im Prinzip ja, würde Radio Eriwan sagen. Doch wenn ein solches System mal abliegt, dann gute Nacht. Dann wird man die Dienste der Funkamateure mit Handkuss nehmen, sofern die dann noch zu funken wissen.

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen: So ein TETRAPOL-Handy kostet ca. 40 mal mehr als ein Baofeng :-)

73 de Anton

Bilder: Ein Fasan und sein Huhn spazieren vor unserem Shack auf der Insel Bornholm

Der letzte Mohikaner

Nachdem unsere Rundfunksender auf Mittelwelle abgeschaltet oder den Russen vermietet wurden (Monte Ceneri), ist nun die Langwelle an der Reihe. 1966 wurde in Prangins am Genfersee der Zeitzeichensender HBG auf 75 kHz in Betrieb genommen. Mit 20 KW und einer T-Antenne. Ende dieses Jahres wird er nun ausgeschaltet. Die beiden Masten sind altersschwach und werden vermutlich  gesprengt.  Sie sind 125m hoch und stehen 230m auseinander. Zwischen ihnen hängt die Antenne. Eine solche Antenne scheint uns mächtig gross, doch für die Wellenlänge von 4000m ist sie viel zu klein. Eine vergleichbare Antenne für unser 160m Band würde zwischen zwei 5m hohen Bohnenstecken* hängen, 9.3m voneinander entfernt. Angaben zur abgestrahlten Leistung, zum EIRP von HBG, habe ich leider keine gefunden. Doch 20kW werden es kaum sein. Trotzdem kann HBG in ganz Europa gehört werden.

Genutzt wurde der Zeitzeichensender, der von einem Caesium-Normal kontrolliert wird, immer weniger. Private Funkuhren empfangen auch hierzulande DCF77 auf 77.5 kHz.  Die paar Kirchturmuhren, die noch an HBG hängen, müssen bis Ende Jahr umstellen, sonst droht ihnen der GAU ;-)

Nebst vielem anderen, kommt also auch unsere exakte Zeit in Zukunft aus der EU.

HBG ist zwar der letzte Langwellensender der Schweiz, abgesehen von uns Funkamateuren, aber es gibt noch eine Reihe Mittelwellensender. Nämlich die sogenannten NDB (Non Directional Beacons) für den Flugfunk. Eine steht übrigens auch in Prangins, denn gerade neben HBG hat es einen kleinen Flugplatz. Er funkt auf 375 kHz und morst GLA für Gland. Ich kann ihn von meinem QTH aus den ganzen Tag über hören (Distanz 86km) Er benützt übrigens nicht die Masten von HBG, wie oft fälschlicherweise behauptet wird, sondern hat einen eigenen. Aber die NDB’s werden immer weniger. Bern hat noch drei Sender: Schupberg SHU 356.5 kHz, MUR auf 312 kHz (MUR steht für Muri, ein Vorort von Bern) und BER auf 335 kHz, der auf dem Flugplatz Belpmoos steht.  Fliegt man sie in dieser Reihenfolge an, so kann man den Flughafen von Bern nicht verfehlen – sie liegen auf der Anfluglinie. Dann sendet Grenchen GRE noch auf 326 kHz und Les Eplatures LPS im Jura auf 403 kHz. Das sind alle. Gebraucht werden sie kaum noch, die restlichen Baken sind Richtfunkfeuer auf VHF. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Sender abgeschaltet werden. Spektakuläre Masten gibt es aber keine zu sprengen, die NDB’s arbeiten mit kurzen Masten mit Dachkapazität, wie sie auch bei einem Funkamateur stehen könnten.

Auch in Deutschland sind die NDB’s am Aussterben. Hier die Liste der Funkfeuer in unserem nördlichen Nachbarland, und hier dasselbe für Österreich.

73 de Anton

Bild: Leuchtturmwächter, man beachte die Kasse! Dueodde, Bornholm.

*Rankhilfen für Nicht-Alemannen, hi

 

 

Neuer Plan für das Magic Band

Anlässlich des IARU Region 1 Meetings in Sun City, South Africa, wurde ein neuer Bandplan für das 6m Band vorgestellt. Er soll folgendermassern aussehen:

50000-50100 CW, mit einem Band für ein neuartiges Bakenprojekt:

50.000 – 010 für die Region 1, Synchronbaken

50.010 – 020 für die Region 2, Synchronbaken

50.020 – 030 für die Region 3, Synchronbaken

50.050 CW Anruffrequenz

50.090 CW Interkontinentale Anruffrequenz

50100 – 50200 SSB, CW international

50.100 – 130 Interkontinentaler Verkehr

50.110 Interkontinentale Anruffrequenz SSB

50.150 Internationales Aktivitätszentrum SSB

50200 – 50300 SSB, CW allgemein

50.285 Crossband

50300 – 50400 MGM

50305 PSK Aktivitätszentrum

50310 – 50320 EME

50320 – 50380 MS

50400 – 50500 Baken

50401 +/- 500 Hz WSPR Baken

50500 – 52000 All Mode

50510 SSTV

50540 – 50580 Internationale Sprach Gateways

50550 Spiegelfrequenz (?)

50560 RTTY

50620 – 50750 Digitale Modulationsarten

50630 DV (Digital Voice) Anruffrequenz

51250 – 51390 Relais FM/DV Eingabe, 20 kHz Kanalabstand

51410 – 51590 FM/DV Simplex, 20 kHz Kanalabstand

51510 Simplex Anruffrequenz

51810 – 51990 Relais Ausgabe

Damit kann ich persönlich leben, und interessanterweise entspricht dieser Bandplan im Grossen und Ganzen meinem Vorschlag, den ich bei der USKA eingereicht habe. Interessant ist auch, dass man von dem unseligen 12.5 kHz Raster weggekommen ist, das man dem 2m Band aufgedrückt hat. 20 kHz Kanalabstand sind ideal und erlauben einen vernünftigen Modulationsindex. Damit können die Vorteile der FM-Modulation voll wahrgenommen werden.

73 de Anton

Bilder von meinem heutigen Ausflug: Creux du Vent (1) (2) im Jura, eine Fahrstunde von meinem QTH. U.a. auch ein toller UKW Standort.

Ver-rückt, einfach ver-rückt

Dass unser Planet ein Narrenschiff ist, wissen wir spätestens seit dem Lied von Reinhard May. Doch die meisten von uns haben das von selbst gemerkt.

Heute ist übrigens der 1.September und ihr könnt keine 60W Glühbirnen mehr kaufen. EU sei Dank. Dafür erhöht heute Osram die Preise für ihre Gift- bzw. Sparlampen um 25%. Welch ein Zufall! Die seltenen Erden seien daran schuld, meint die Firma, obwohl sie in China produzieren lässt.

Dass der Irrsinn vor dem Amateurfunk nicht Halt macht, kann man täglich auf den Bändern feststellen. Doch manche sind ver-rückter als andere. Zum Beispiel OH6DC, der hier mit seiner Krawatte morst. Wobei das noch harmlos ist, wie die weiteren Beispiele kreativer Telegraphie in der Spalte rechts zeigen.

Ein weiterer Ver-rückter ist AA1TJ, der hier versucht, den Atlantik mit seiner Stimme zu überbrücken. Das Prinzip: Er brüllt Morsezeichen in eine Konservendose, an deren Ende ein als Mikrophon funktionierender Lautsprecher die Akustik in Elektrizität umwandelt und einen Sender speist.

Immerhin hat er mit seinem Brüllsender schon über tausend Kilometer geschafft.

Ver-rückt schreibe ich übrigens mit Bindestrich, weil ich es im Sinne von “verschoben” verstanden haben möchte – verschoben gegenüber der Wirklichkeit.

Einer der ganz und gar nicht aus der Wirklichkeit gerückt ist, ist dieser OM, der einen Umbau-Service für das Baofeng anbietet. Für Steckdosenfunker.

73 de Anton

Merci Claude-Alain pour les adresses des sites

und vielen Dank an Jürgen, DK4BA, unbekannterweise, aus dem Amateurfunk-Forum Bremen :-)

Bild: Der Operateur als Pastafari

Atomgenau

Als gestern die Post kam und ein kleines Kästchen aus China lieferte, wurde meine XYL misstrauisch. Nicht wegen dem beiliegenden “Gift”. Denn auf dem Teil stand Atom drauf und wie ich zugeben musste, war auch Atom drin ;-)

“Ist das nicht gefährlich?”, fragte sie und dachte wohl an den Schweden, der sich ein kleines Atomkraftwerk auf dem Küchentisch basteln wollte und dann von der Polizei abgeholt wurde.

Doch mein Ziel war kein eigenes KKW, sondern eine genau Frequenz. Deshalb hatte ich ein ausgedientes Rubidium-Normal in China bestellt, made in USA by Erfatom, eine alte Atomuhr.

Rubidiumatome haben eine äusserst exakte Resonanz bei 6.8346875 GHz, und die wird ausgenützt um einen VCXO zu stabilisieren. Herzstück dieser Atomuhr ist eine Lampe mit Rubidiumgas, das zur Zündung gebracht wird und dann fein rosa leuchtet. Doch keine Angst! Da ist keine Strahlung wie in Fukushima.

Der Betrieb der Atomuhr, in meinem Fall eine LPRO-101 (1) (2) (3) ist denkbar einfach. Bevor man das Teil in Betrieb nimmt, sollte man zuerst auf die Grundplatte ein anständiges Kühlblech schrauben, denn das Kästchen zieht bei 24Volt über ein Ampère und wird deshalb heiss. Ohne Kühlung fängt die Uhr bei längerem Betrieb an zu spinnen. Das ist dann etwa so, wie bei einer toten Armbanduhr – die zeigt nur zweimal im Tag die genaue Zeit an ;-)

Dann braucht es natürlich noch ein kräftiges 24V Netzteil. Ich habe mir, der Einfachheit halber, in Hongkong ein Schaltnetzteil für eine Handvoll Dollar geordert.

Nach dem Anlegen der Spannung dauert es ein paar Minuten, bis der Oszillator einrastet. Wer diesen Zeitpunkt beobachten möchte, für den steht am Pin “BITE” ein Signal zur Verfügung. Wenn der VCXO einrastet, geht dort das Signal von ca. 4.5V auf Null. Wichtig ist auch noch die Lampenspannung, welche am Pin “Lamp Volt” beobachtet werden kann. Sie liefert eine Aussage über das Alter des Rubidium-Normals. Je tiefer sie ist, desto altersschwach ist das Teil. zwischen 6 und 9 Volt ist die Lampe gesund. Unter 3V nahe am Exitus. Meine liegt bei 7.2 Volt und es sind deshalb wohl noch einige tausend Betriebsstunden zu erwarten. Ein Dauerbetrieb wäre aber Verschwendung. Der ist auch nicht nötig, denn ich will ja nur wissen, wie genau meine TCXO’s in den Funkgeräten und vorallem im Messsender sind, und diese ggf. nachtrimmen.

Der LPRO-101 liefert ein Signal von 7.8 dBm in 50 Ohm bei 10 MHz, also etwa ein halbes Volt RMS. Die Genauigkeit sollte besser als 10-6 sein. Also 10 mHz Abweichung bei 10 MHz. Überprüfen kann ich das aber nicht. Da müsste schon eine noch genauere Atomuhr ran, ein Cäsium-Normal. Aber immerhin: ein Quarzofen bringt es nur auf ca. 10-6, das heisst 10 Hz bei 10 MHz.

Genauso sah es denn auch aus, als ich das Ribidium-Normal an meinen Zähler hängte, der von einem externen 10 MHz Quarzofen gespeist wird. Hier das Resultat nach einer halben Stunde Einlaufzeit des Quarzofens:

Was ich hier also messe ist keineswegs die Frequenz meines Rubidium-Normals, sonder die Frequenzabweichung des Quarzofens des Zählers. Nun kann ich diesen neu abgleichen und habe dann die höchste Frequenzgenauigkeit, die mit Amateurmitteln zu erreichen ist.

Alternativen zum Rubidium-Normal sind eine Anbindung an das GPS-System oder an den Zeitsender DCF-77. Diese Systeme hängen zwar an einem Cäsium-Normal. Aber die Genauigkeit wird durch Laufzeitverzerrungen der Funkstrecke beeinträchtigt.

73 de Anton

Weltraum-Piraten

CB-Funk mit Kilowattbrenner, Freebander auf 45m, vogelfreies Radio auf 1700 kHz – alles Schnee von gestern. Wer ein echter Pirat sein will, funkt nicht auf Kurzwelle, sondern auf UHF über amerikanische Militärsatelliten.

Science Fiction? Nein, Wirklichkeit! Tausende Piratenstationen funken weltweit im Bereich um 250 MHz. Auch aus Deutschland. Technisch ist es keine grosse Herausforderung, ein “offenes Handy” und eine kleine Yagi genügen bereits. Und wer sich nicht verplappert, ist auch relativ sicher vor dem Gilb. Denn die Antenne zeigt ja gen Himmel und die Funküberwachung leidet unter Sparzwang und die entsprechenden Gesetze (zumindest in D) sind zahnlos.

Dort oben gibt es Satelliten wie Sand am Meer, von den USA, der NATO und anderen Militärs, und alle sperrangel weit offen und gross wie Scheunentore. Es wird gesagt, der Verkehr sei manchmal so intensiv, dass das Militär Schwierigkeiten habe, eine freie Frequenz auf den Transpondern zu finden.

Verrückt? Eindeutig! Die Satelliten-Transponder sind völlig ungesichert. Zwar kommuniziert das Militär darüber meist verschlüsselt, doch ein Zugangscode existiert nicht. Wem gerade danach ist, kann rein schwatzen. Manchmal hört man auch einen Telefonlink oder eine Radiostation mit einer Übertragung. Trotz Regulierung der Wellen herrscht auf UHF weltweit das pure Chaos. Man denke nur an die vielen China-Handys. Nur wer glaubt, dass Zitronenfalter Zitronen falten, glaubt auch,  dass die alle in die Hände von Lizenzierten gelangen.

Nein, heute ist nicht der erste April, sondern der 30. August. Und wer mir nicht glaubt, möge sich mal auf dieser Seite umsehen. Oder sich diese beiden Filme rein ziehen (1) (2). Da gehen einem die Augen über.

Zum Schluss noch ein guter Rat: Wenn euch eure Amateurfunklizenz lieb ist – Finger weg von fremden Satelliten. Das BAKOM ist in dieser Hinsicht völlig spassfrei.

73 de Anton

Bild: Erinnerung an einen Funknachbarn

200m and down

Zurzeit wird über die Zukunft des ehemaligen Schiffsfunk-Bereichs um 500 kHz diskutiert. Die Weichen werden vermutlich an der nächsten Radiokonferenz im Februar in Genf gestellt. Dass unser neustes Amateurfunkband bei 136 kHz eine ähnliche Geschichte hat, wissen aber nur noch wenige. Auch vielen ehemaligen Schiffsfunkern ist nicht bekannt, dass die 2200m Welle früher im Schiffsfunk eingesetzt wurde. Zum Beispiel von der legendären niederländischen Küstenfunkstelle Scheveningen Radio, PCH, die am 31.Dezember 1998 für immer verstummte.

Anruffrequenz war in diesen Pionierzeiten 2100m, Arbeitsfrequenz 2222m. Auch im Protokoll der Internationalen Radiokonferenz von Atlantic City 1947 ist der Bereich von 130 bis 150 kHz noch dem “Maritime Radio” zugeteilt. Mit der Anruffrequenz 143 kHz. Doch nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Langwelle für den Schiffsverkehr aufgegeben. Der Schiffsfunk hatte sich endgültig auf der Mittelwelle und der Grenzwelle etabliert. 415-526.5 kHz mit der Anruf und Notfrequenz von 500 kHz (mit einem Freibereich von +/- 5kHz) standen auf der Mittelwelle zur Verfügung. Dort fand der Verkehr ausschliesslich in Telegraphie statt. Für Telefonie stand der Grenzwellenbereich, zu dem auch unser 160m Band gehört, mit der Anruf- und Notfrequenz 2182 kHz, zur Verfügung. Wir funken also auf historischen Frequenzen. Noch im Protokoll der WARC 1979 – das ist die Radiokonferenz bei der wir die sogennanten WARC Bänder erhielten – war der Bereich 130 bis 150 kHz für den Schiffsfunk reserviert und wurde auch noch für die Ausstrahlung von Nachrichten und Wettermeldungen benutzt. Noch immer sendet der Deutsche Wetterdienst auf 147.3 kHz Wetterkarten in Faksimile.

Auf welcher Frequenz die Titanic funkte, als sie kurz vor Mitternacht am 14. April 1912 mit einem Eisberg zusammen stiess, kann heute nicht mehr rekonstruiert werden. War es Langwelle oder Mittelwelle? Das Schiff hatte eine Anlage an Bord, die von 100 – 2500m Wellenlänge betrieben werden konnte. Einige behaupten, die Titanic hätte bereits auf 600m, also auf 500 kHz gefunkt. Ich vermute, dass es die Langwelle war. Man bevorzugte damals die längeren Wellen und dachte: je länger, je besser. Zudem waren die Frequenzen noch nicht reguliert, jeder funkte, wo er gerade wollte, und oft störten noch die Funkamateure den Schiffsverkehr, bis sie auf “200m and down” * verbannt wurden. Auf die damals als unbrauchbar angesehenen kurzen Wellen. Mit dem 136 kHz Band kehren wir wieder dorthin zurück, wo unsere Geschichte ihren Anfang nahm: über 200 Meter.

73 de Anton

* De Soto, 200m & down

Funken mit der Brechstange

Viele Funkamateure träumen davon, doch nur ganz wenigen ist es vergönnt, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Funken mit einer Extremstation. Ich kann euch versichern, es ist ein überwältigendes Gefühl. Doch meine Stunden, die ich unter dem 125m Mast von Sottens an der Langwellenstation verbrachte, sind nichts im Vergleich zu der Operation von Radio Arcala, OH8X. Diese Funkstation unter dem Polarkreis wurde von einer Gruppe finnischer Funkamateuren vor allem für Conteste eingerichtet.

Das Wichtigste an einer Funkstation sind die Antennen und so stehen auf dem 20 Hektaren grossen Grundstück sieben Masten: der höchste ist über 100 Meter hoch und trägt unter anderem einen 5 Element Beam für 80m und einen 3 Element Beam für 160m. Das Gewicht dieses Towers mit seinen Antennen beträgt 40 Tonnen, hat einen 11kW Motor für den Rotor und allein für die rot-weisse Bemalung wurden 600 Liter Farbe benötigt.

Einen Eindruck dieser Antennenanlage gibt dieser Film, bei der sich drei Base Jumper vom 160m Beam in die Tiefe stürzen.

Die meisten von uns müssen wesentlich kleinere Brötchen backen. Dass man aber auch von einem Balkon aus mit Erfolg QRV sein kann und allerhand Antennen erstellen und ausprobieren kann, zeigen die Fotos von Bruno, HB9EZE (bitte runter scrollen). Das Maximum aus seinem eigenen kleinen QTH herauszuholen ist meines Erachtens eine ebenso grosse Herausforderung, wie das Erstellen einer Extremstation. Und das Ausprobieren und Funken vom Balkon ist vermutlich auf die Dauer interessanter als das Funken mit der Brechstange. Ich erlebe es nämlich immer wieder, dass die OM’s, die um jeden Zentimeter Antenne kämpfen müssen, aktiver sind, als die mit einer Superstation. Wer sich alles leisten kann, dem wird eben schnell mal langweilig.

73 de Anton

Eine eierlegende Wollmilchsau aus China

Cami, HB9EXF, hat mich auf ein gar wunderliches Gerät aus China aufmerksam gemacht, ein 2 Band Handy für 2m und 70 cm von Pouxin. Handfunken aus China gibt es zwar wie Sand am Meer und meistens beinhalten sie noch ein FM-Radio und eine Taschenlampe. Doch das neuste Pouxin kann mehr, wie das grosse Display und die Tastatur erahnen lassen. Es kann nämlich noch telefonieren. Und zwar nicht nur einfach, sondern doppelt, kann man doch zwei Sim-Karten gleichzeitig rein stecken, eine für die Frau und die andere für die Freundin :-)

Obschon das bereits reichlich verrückt ist, kann das Teil noch mehr: es ist zum Beispiel auch eine Kamera und ein MP3 Player. Aber auch das reicht dem modernen Menschen noch nicht, will er doch in jeder Sekunde voll unterhalten werden und wenn gerade niemand telefoniert und niemand QRV ist, dann kann man mit dem PX-D03 auch fernsehen oder spielen.

Leider kann es kein GPS, oh du Schande. Ich könnte mich nämlich ob all den Spielereien irgendwo verlieren. Aber ich habe kein derartiges Gerät und werde mir auch nie eins kaufen. Denn mein Traum von einer eierlegenden Wollmilchsau sieht etwas anders aus: kein Telephon, kein MP3, Fernseher oder Kamera. Dafür zusätzlich noch das 23cm Band und SSB/CW. Ein eingebautes Feldstärkemessgerät und einen Antennen-Analyzer. Der RX durchgehend von Längstwellen bis 2.5 GHz, mindestens. Meinetwegen auch noch GPS und D-Star, obwohl ich von letzterem (noch) nicht überzeugt bin.

Doch wie kommen die Chinesen auf die abgefahrene Idee, all diesen Konsum-Klamauk in eine Handfunke zu quetschen? Und überhaupt: Wieso gibt es so viele und immer wieder neue Handfunken aus Fernost? Wir alle haben ja schon mindestens ein Drittgerät.

Diese Dinge sind nicht in erster Linie für uns Europäer gedacht, sondern für andere Märkte. Von den zwei Millionen OM weltweit, befinden sich knapp 700’000 in den USA, etwa 450’000 in Japan, wobei die meisten “nur” eine UKW-Lizenz besitzen, und 250’000 in Thailand. Auch dort die meisten mit UKW-Lizenzen. Wir in der Region 1, Europa-Afrika zählen nur ca. 400’000 Lizenzierte.

Doch das ist noch nicht alles: In vielen Regionen der Welt werden Amateurfunkgeräte von Nicht-Amateuren für alle möglichen Zwecke eingesetzt.

Ach ja, wenn ich mir’s recht überlege, möchte ich in meiner eierlegenden Wollmilchsau noch Zugriff auf einen DX-Cluster und auf E-Mail :-)

73 de Anton

Bild: Bert, HB9DCE, an seiner “DX-Station”. Bert gehört zu den Schweizer Langwellenpionieren und funkt vorzugsweise mit alten Schweizer Militärgeräten. Insbesondere dem SE-222 wie auf dem Foto zu sehen ist.