CG-5000 update

Wie bereits früher erwähnt, bekundet der Antennenkoppler CG-5000 Mühe auf dem 160m Band. Antennen mit hohen Strahlungswiderständen will er dort partout nicht abstimmen. Bei mir war es eine Inverted-L, 12m hoch, 40m lang: unter 1920 kHz ging nichts mehr, und auch auf 30m warf er die Flinte ins Korn. Ganz im Gegensatz zum SG-230. Der hatte mit der gleichen Antenne kein Problem. Leider hält der SG-230 keine 800W aus. Zumindest nicht laut Datenblatt.

Nun habe ich meinem CG-5000 eine andere Antenne vorgesetzt: ein isolierter Fahnenmast von 12m Höhe. Und siehe da: damit hat er keine Schwierigkeiten mehr. Blitzschnell stimmt er auf allen möglichen Frequenzen ab. Auch runter bis 1810 kHz.

Offenbar mag er nur kleine Strahlungswiderstände auf dem 160m Band und hasst die grossen. Kapazitive Blindwiderstände bereiten ihm dagegen keine Mühe. Und da mein CG-5000 in dieser Hinsicht kein Einzelfall ist, muss ich daraus schliessen, dass da wohl ein Designfehler drin steckt. Die Dinger werden ja auch vorzugsweise auf Fischkuttern eingesetzt. Und die arbeiten nicht mit langen Drähten, sondern mit kurzen Vertikalantennen – Fischrutenantennen, hi.

Hoffen wir, dass die nächste Generation dieses Tuners auch lange Drähte mag.

Die kannibalisierte Platine auf dem Bild oben ist ein anderes Kapitel. Sie war einmal das Herzstück eines SG-230. Diesen habe ich auf Ricardo.ch ersteigert. Kaum gebraucht, hiess es. Zu verkaufen, da “man sich mit der Kurzwelle nicht anfreunden” könne. Leider habe ich es unterlassen,  kritisch nachzufragen.

So landete das Teil bei mir. Ein Schrotthaufen. Risse im Gehäuse und davon resultierende  Wasserschäden waren noch das Harmloseste. Zudem war es ein “Urtuner”: eines der ersten Modelle dieses Typs.  Und natürlich funktionierte er nicht.

Die Fehlersuche war eine Niederlage. Schon wegen der fehlenden Unterlagen. Kaputte Dioden ersetzt, Mikrorisse auf der Leiterplatte geflickt, und trotzdem klapperte er noch spastisch. Jetzt ist mir der Geduldsfaden gerissen. Das Interessante dabei: Alle Relais, Kondensatoren und Spulen waren einwandfrei. Wenigstens ein kleiner Zustupf für meine Bastelkiste :-)

Fazit: ich kaufe keinen gebrauchten Remote-Tuner mehr. Den gibt sowieso kein OM einfach so weg. Es sei denn, er brauche dringend Geld – oder das Teil sei sauer.

73 de Anton

KW-Transceiver mit 500 kHz Bereich auf dem Markt

Immer wieder wird von Skeptikern gegenüber einem zukünftigen 500 kHz Band als Argument ins Feld geführt, es gebe keine Geräte für diesen Bereich zu kaufen.

Dabei gibt es bereits massenweise KW-Transceiver mit dem 500 kHz Band auf dem Markt. Nur merkt es (fast) keiner.

Zum Beispiel den IC-7200 von Icom. Wer das Teil etwas genauer unter die Lupe nimmt, stellt fest, dass es auch 500 kHz kann. Nicht High Power, dafür ist die Endstufe nicht ausgelegt. Aber so um die 100mW. Genug um eine selbst gebaute Linearendstufe anzusteuern. Kein besonders aufwendiges Bastelprojekt. Sollte das 500 kHz Band auch in der Schweiz einmal das Licht der Amateurfunkwelt erblicken, werde ich den Lötkolben zur Hand nehmen.

Der IC-7200 sendet aber nicht von Haus aus auf 500 kHz. Es braucht dazu eine klitzekleine Modifikation. Dazu muss man die Frontplatte demontieren. Das geschieht mit den vorne sichtbaren Inbusschrauben. Die sind tatsächlich echt und nicht nur zur Zierde auf der Frontplatte :-)

Hinten an der Frontplatte sitzt die Platine des Logic-Unit und wir haben Glück: die Dioden, um die es geht, sitzen auf der richtigen Seite. Ausserdem sind sie alle angeschrieben. Wir entfernen die Dioden 48, 49, 51, 52, 53, 54, 55, sofern noch vorhanden. Und löten an den Plätzen D50 und D63 Dioden ein, sofern nicht bereits vorhanden. Sollten keine SMD zur Hand sein, können auch irgendwelche bedrahteten Kleinsignal Dioden eingesetzt werden. Der Typ spielt keine Rolle.

So, nun sollte der TX auch auf 500 kHz laufen. Plus natürlich auch auf allen anderen Frequenzen, wo wir (noch) nicht senden dürfen. Zum Beispiel auf 5 MHz. Sogar auf 136 kHz kommen noch ein paar Milliwatt raus.

Auch wenn wir die 500 kHz Option noch nicht nutzen können: wir haben jetzt zumindest einen tollen Messender (zum Beispiel für die 455 kHz ZF)

Das Service-Manual mit dem Platinen-Layout zu diesem Gerät gibt’s zum Beispiel auf mods.dk

73 de Anton

Bild: Bornholm

Abzocke durch die Post

Da studiert man sich den Kopf aus, bis sich die Gehirnwindungen verknoten, um eine neues Blogthema zu finden, und Sekunden später läutet das Thema an der Tür. Die Post ist da.

Die kesse blonde Biene mit dem Elektroscooter bringt mir einen EX243 von Piexx aus den USA. Dafür will sie 25.35 – Franken nicht Dollar notabene. “Ich glaub’ ich brauch einen Schnaps”, sage ich, “möchten Sie auch einen?” Doch das Fräulein lehnt ab. Briefträger sind nicht mehr so wie früher. Immer in Eile.

Natürlich wusste ich, was auf mich zukam, als ich den EX243 bestellte. Doch ich hatte nur die Wahl zwischen “haben” und “nicht haben”. Das wunzige Printchen werde ich nämlich meinem alten Icom-735 spendieren – sobald es draussen regnet. Es ist nichts anderes als der Nachbau der Keyer Option, die im Original schon längst nicht mehr erhältlich ist. Doch zurück zum eigentlichen Thema:

Das Teil habe ich in den USA für 59 Dollores erstanden. Das sind bei einem Kurs von 0.85 Franken pro Dollar gute fünfzig Franken. Wie kommt es nun, dass die Post 50% vom Preis als Raubrittergebühr verlangt?

Zuerst einmal reklamiert der gelbe Riese sage und schreibe achtzehn Stutz für sich. Verzollungspauschale. Dann rechnet er die Versandkosten zum Preis. In meinem Fall waren das 27.79 Dollar. Macht total also $86.79. Ein Zoll ist zwar darauf keiner zu bezahlen, aber eine Mehrwertsteuer von 8%. Das würde dann $6.94 ausmachen. Und da das zu wenig für den Fiskus ist, rechnet er fröhlich mit einem Dollarkurs von (aufgerundet) 1.06 Franken pro Dollar und kommt damit auf Franken 7.35. Voilà, da haben wir die 25.35.

Als fleissiger und ehrlicher Steuerzahler mag ich es nicht, wenn mich der Staat bescheisst. Der gelbe Riese ist nämlich zur Mehrheit in Staatsbesitz. Was kann man dagegen tun? Nun, das überlasse ich eurer Fantasie. Wichtig zu wissen ist, dass die Zoll-Freigrenze  bei Franken 62.- liegt, Versandkosten inklusive. Für Bücher ist sie bei 200.- Diese Freigrenze entsteht dadurch, dass auf die Erhebung der Mehrwertsteuer (8%, für Bücher 2.5%) verzichtet wird, wenn der Betrag Fr. 5.- nicht überschreitet.

Bei grösseren Bestellungen fällt die Raubrittergebühr nicht mehr so ins Gewicht, doch was soll ich mit zehn EX243? Und Achtung: ab Fr. 500.- Bestellwert beträgt die Pauschale Fr. 35.-!

Überquert man die Grenze persönlich, so darf man Waren im Werte von Fr. 300.- frei einführen (mit ein paar Ausnahmen). Der jährliche Einkauf in Friedrichshafen lohnt sich also ;-)

73 de Anton

Twente wieder online?

DL8JAN meldet heute im QRP-Forum, dass der Web-SDR an der Uni Twente wieder online sein soll. Und zwar in verbesserter Ausführung: Der Empfänger soll nun von 0 bis 19 MHz gehen. Leider kann ich diese Meldung nicht bestätigen. Alles scheint noch beim Alten zu sein. Doch wenn die Meldung von DL8JAN keine Ente ist, scheint sich dort was zu tun und es lohnt sich, häufiger vorbei zu schauen.

http://websdr.ewi.utwente.nl:8901/

oder

http://websdr.ewi.utwente.nl:8903/

Wie DL4ZAO schreibt, will der Entwickler, Pieter-Tjerk DeBoer, PA3FWM, auf der UKW-Tagung am 10. September seine neusten Erkenntnisse präsentieren.

73 de Anton

Bild: Antenne auf Bornholm. Leider nicht unsere :-)

Die Tomatenquad

Mein Nachbar ist ein Antennenfreund. Heute habe ich ihm geholfen, eine Tomatenquad zu bauen (siehe Bild). Ich weiss: wenn ich ihn fragen würde, dürfte ich sogar damit senden.

Allerdings würde die Tomatenquad nicht auf 23cm funktionieren, und das war heute bei mir das Band des Tages. Nachdem ich mich vergeblich auf 136 kHz abgemüht hatte, versuchte ich es mit einer 10’000mal kleineren Wellenlänge. Es fand ja ein VHF/UHF-Kontest statt.

Ich bin kein Contester, doch sind solche Wettbewerbe eine gute Gelegenheit, Antennen und Equipment zu testen. Erstaunlich, wieviele Stationen auf dem tiefsten Mikrowellenband hier im “Flachland” zu empfangen waren, obschon ich nur eine kleine 21 Element Yagi vor’s Dachfenster geklemmt hatte. Im Nu war im Log das Dutzend voll. Ich hatte sogar den Eindruck, dass es auf 23cm besser lief als auf 70cm.

23cm ist ein erstaunliches und häufig unterschätztes Band. Vorallem hier, wo Berge als Reflektoren zur Verfügung stehen. Erstaunlicherweise begegnete ich keinen Krokodilen – ich wisst schon: grosses Maul, kleine Ohren. Wen ich hören konnte, konnte ich auch arbeiten.

23cm ist ein Übergangsband, wie 28 MHz zwischen KW und VHF. Einerseits ähnelt es in seiner Ausbreitung noch den 2m und 70cm Wellen. Tropo ist häufig. Andererseits besitzt es Eigenschaften, die nur auf den Mikrowellenbändern zu finden sind. Regenscatter zum Beispiel, oder Reflektionen an Flugzeugen.

Natürlich eignet sich das Band sehr gut für digitale Linkstrecken oder FM-Relais-Betrieb. Doch erst in SSB und CW spielt es seine Trümpfe richtig aus. Verbindungen über einige 100km sind an der Tagesordnung, sofern man über eine Langyagi und etwas Leistung verfügt (10- 100W). Wer noch mehr Power und Antennenaufwand betreiben will, für den ist es ein tolles EME Band.

Der Einstieg ist leicht. Viele Multibandtransceiver – auch ältere wie der Kenwood TS-790 oder der Yaesu FT-736 verfügen über ein 23cm-Modul als Option. Doch das lohnt nur, wenn man bereits ist, eine Yagi zu montieren. Nur mit einer Multibandspargel ist das Geld für das Modul in meinen Augen Verschwendung. Glück hat, wer noch einen ICOM IC-1271E auftreiben kann – der einzige 23cm Allmode Transceiver, der je gebaut wurde.

Noch wichtiger als auf den tieferen VHF/UHF-Bändern wird die Speiseleitung. Mit nur 10m RG-213 verbrät man schon die halbe Leistung im Kabel und der Empfänger verliert seinen Biss. Mit besseren Koaxkabeln wie H-2000, Aircom oder Ecoflex10 kann man die Verluste wesentlich verringern. Bei mehr als ein paar Metern zwischen Station und Antenne empfiehlt sich ein Mastvorverstärker und man sollte den Einsatz von Ecoflex15 ins Auge fassen.

Doch ein Nachteil des 23cm-Bandes sei nicht verschwiegen: Ausserhalb der Contestzeiten ist praktisch nichts los. Schade für dieses tolle Band.

73 de Anton

Morgen ist Langwellentag

Morgen ist wieder Langwellentag. Wie jeden 1. Sonntag im Monat wollen wir das Band in normalem CW aktivieren. Wir rufen um 10:30 MEZ auf 137.5 kHz. Na ja, vielleicht ist das “Wir” übertrieben und ich werde der Einzige sein. Auf jeden Fall höre ich auch auf 3555 kHz für Crossband-QSO’s.

Aber auch Grimeton meldet sich morgen wieder im Äther. SAQ sendet auf 17.2 kHz um 09:00 und 12:00 UTC.

Auch am anderen Ende des Spektrums ist was los. Es findet der DARC VHF/UHF/Mikrowellencontest statt, zeitgleich mit dem Helvetia VHF/UHF/Mikrowellen-Contest.

Gestern haben wir über den Rand des Amateurfunktellers hinaus gesehen. Auch heute sind mir zwei Meldungen aufgefallen. Die erste für die, welche sich auch für die Ereignisse im Weltall interessieren: Seit seiner Entdeckung am 23. September 1846 wird der Planet Neptun am 12. Juli endlich eine Sonnenumrundung beenden. Ein Neptunjahr dauert 165 Erdenjahre!

Und hier eine Meldung für die Computerfreaks. Zurzeit liest man viel über Cloud-Computing. Die Daten werden dabei nicht mehr auf dem eigenen Computer gespeichert, sondern irgendwo im Netz. Das ist praktisch. Man braucht keine Festplatte mehr und die Datenmenge ist unbegrenzt. Zudem seien die Daten in der “Wolke” sicherer als daheim. Doch jetzt meldet Heise:

US-Behörden dürfen auf europäische Cloud-Daten zugreifen
 

Doch zurück zum Amateurfunk. Kürzlich berichtete ich über das Webzine Amateurfunk.ch von Hans-Jörg Spring, HB9ANF. Bohrt man etwas tiefer, merkt man bald, dass da irgendwo ein Wurm drin sein muss. OM Spring ist übrigens kein Unbekannter. Er beschaffte, als er noch Polizeihauptmann war, ein Peilflugzeug. Keine schlechte Idee. Vielleicht wollte er damit Relaisstörer jagen oder an einer Fuchsjagd teilnehmen. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen machten er und seine Freunde damit Privatausflüge :-) Aber das ist Schnee von gestern. Was zählt ist das Heute.

73 de Anton

Bild: UKW-Station von 2m bis 23cm

Ein Blick über den Tellerrand

…kann nie schaden. Neue Horizonte, neue Ideen, neue Erkenntnisse tun sich auf. Kürzlich bin ich über ein interessantes Diagramm gestolpert. Es zeigt die Abhängigkeit unserer technischen Welt von den Rohstoffen. Auf der X-Achse die ökonomische Wichtigkeit, auf der Y-Achse das Beschaffungsrisiko. Ein Rohstoff, der für unsere Zivilisation sehr wichtig ist und der bald zur Neige gehen könnte, wäre also rechts oben angesiedelt. Ein unwichtiger Stoff, in Hülle und Fülle vorhanden, links unten.

Betrachtet man dieses Diagramm, so fallen einem sofort bekannte Namen auf. Dummerweise in der kritischen Zone. Die raren, bzw. seltenen Erden, zum Beispiel. Dieses Gruppe von Stoffen wird u.a. in Windkraftanlagen, LCD-Bildschirmen, Leuchtdioden und Brennstoffzellen verwendet. China dominiert hier den Weltmarkt mit 97% (2010).

Aber andere Namen sind in unseren Funkeraugen noch auffälliger: Germanium zum Beispiel. Was soll das, wird manch einer sagen, die Zeit der Germanium-Dioden und Transistoren ist doch schon längst vorbei. Sie wurden durch Siliziumhalbleiter verdrängt. Das stimmt, aber Germanium ist durch die Hintertür zurückgekommen. Heute werden in der HF-Technik Verbundhalbleiter eingesetzt in Silizium-Germaniumtechnologie, besonders im Mikrowellengebiet. Ausserdem braucht man es als Trägermaterial für Solarzellen und in der Herstellung von Lichtwellenleitern.

Andere Stoffe im Diagramm sind uns vielleicht weniger geläufig, wie das Niobium oder das Indium. Trotzdem kommen unsere technischen “Spielzeuge” nicht mehr ohne aus. Mit PGM sind übrigens die Metalle der Platingruppe gemeint.

Viele wichtige Stoffe sind nur an bestimmten Lagerstätten vorhanden und die Reichweiten der derzeit bekannten Reserven sind manchmal gar auf wenige Jahrzehnte beschränkt. Kein Wunder: In einer begrenzten Welt, wie unserer Erde, kann nichts unendlich sein. Trotzdem ist die Situation bei den Metallen noch nicht kritisch. Eine verstärkte Exploration kann dort weitere Reserven erschliessen.

Nicht so bei dem Stoff, auf dem unsere Zivilisation aufgebaut ist: beim Erdöl. Das Fördermaximum (Peak Oil) wird in den nächsten Jahren erwartet. Danach wird die geförderte Menge dauernd sinken – trotz aller Anstrengungen neue Felder zu erschliessen

73 de Anton

Bild: Schnäppchen aufs Dach: Ein Rotor für 40 Euro, an den Rahmen des Dachfensters geklemmt, dreht eine kleine 2m-Yagi.

 

JT65-HF


So wie es keine Wunderantennen gibt, so gibt es auch keine Wunderbetriebsarten. Auch der neuste Gag, die Betriebsart JT65-HF, die immer häufiger auf den Kurzwellenbändern zu beobachten ist, kann nicht zaubern. Doch wie bei den Wunderantennen auch, vermischen sich hier Wahrheit und Legende. Wenn dazu noch ein kleiner Beschiss kommt, wie bei JT65, ist die Mixtur perfekt.

Doch wie funktioniert JT65 eigentlich? Damit ich mit dieser Freeware arbeiten kann, die im Rahmen des WJST Packages von K1JT entwickelt wurde, brauche ich einen Computer mit Soundkarte. So wie bei anderen digitalen Betriebsarten auch. Doch das allein reicht nicht. Ich muss dafür sorgen, dass meine Computerzeit sehr genau ist. Sonst bekomme ich es auf den JT65-Frequenzen mit der Zeitpolizei zu tun ;-) Und dahinter steckt einer der Tricks, der sich der Entwickler bediente, um schwache Signale zu decodieren: Eine Sende- oder Empfangssequenz dauert genau eine Minute. Damit weiss das Programm, wann ein Signal kommt und wann nicht. Das erleichtert die Decodierung ungemein.

Der zweite Trick bei JT65, das ursprünglich für EME entwickelt wurde, sind die Standardmeldungen. Der Ablauf eines QSO’s ist standardisiert. Man kann nur ganze 13 Zeichen frei nach eigenem Gusto hinzufügen. Das Programm weiss also nicht nur, wann etwas kommen soll, sondern was kommen muss.

Das soll bis -20dB SNR funktionieren, gemäss den Angaben des Entwicklers. Darunter wird es schwierig und funktioniert nur, wie einige OM’s festgestellt haben, wenn dem Computer vorher gesagt wird, mit wem man ein QSO abgemacht hat. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Doch die -20dB sind ja ganz gut, werdet ihr sagen. Nun ja, sie beziehen sich leider auf die Bandbreite eines SSB-Kanals. Vergleicht man JT-65 mit schmalbandigen Betriebsarten, schaut es nicht mehr so wundermässig aus. PSK31 und das geschulte Ohr eines Telegraphisten, der mit einem schmalbandigen Empfänger hört, können mit JT65 durchaus konkurrieren. Abgesehen davon, sind sie in der QSO-Gestaltung völlig frei. Sogar in der Betriebsart QRSS, wie sie auf Langwelle praktiziert wird, ist der Operator völlig frei, was er senden will. Entweder kann der OM am Empfänger das Signal sehen, oder er muss raten :-)

Doch was soll’s. Um ein seltenes Land zu arbeiten, muss ich auch nur mein Call und “Fäivnein” ins Mikrofon brüllen und das Rufzeichen im Cluster nachsehen. Hauptsache es macht Spass.

Pascal, HB9EXA, hat mir zu JT65-HF noch einen interessanten Link geschickt. Hier ist er, für den Fall, dass ihr mal mit dieser Betriebart experimentieren möchtet. Weltweites DX vom Balkon aus und mit kleiner Leistung ist durchaus möglich.

73 de Anton

Bild: Holzzahnräder in einer Windmühle.

Drahtantennen

Es soll Funkamateure geben, die gleich das Hobby hinschmeissen, wenn sie keine Baubewilligung für ihren Antennentower bekommen. Funken ohne Gittermast und Beam können sie sich nicht vorstellen. Nachbarn, die sowas nicht schön finden, gehören nicht in ihr Weltbild.

Sollen sie halt Kaninchen züchten oder Bierdeckel sammeln.

Auf der anderen Seite des Spektrums finden wir Funkamateure, die aus ihrem QTH das Beste herausholen. Mit Phantasie, Können und Hartnäckigkeit bauen sie Antennen aus Draht und funken damit rund um die Welt. Oft noch mit QRP. Ihnen gehört meine Bewunderung. Ich finde: Es gibt kein QTH, an dem man keine Antenne bauen kann – es gibt nur zuwenig Fantasie.

Der Trick dabei ist so alt wie das trojanische Pferd: Eine Antenne darf nicht wie eine Antenne aussehen. Ein Gittermast mit einer Alusammlung an der Spitze erkennt auch der DAM (Dümmste aller Nachbarn) als Antenne. Das Metallmonster wirkt bedrohlich, ob es sendet oder nicht, spielt keine Rolle. Drähte hingegen, werden in der Regel als wenig invasiv betrachtet. So ein dünner Draht, kaum sichtbar vom Giebel zum Zwetschgenbaum gespannt, sieht ja auch nicht nach Highpower aus.

Um Drahtantennen zu bauen, braucht man auch keine Fundamente mit X Kubikmetern Beton und wenn die Drähte provisorisch gespannt sind, nicht einmal eine Baubewilligung. Man funkt ja eh QRP ;-)

Dabei können Drahtantennen sehr wirkungsvoll sein. Nicht nur die Gekauften, auch die Selbstgebauten. Mir ist ohnehin nicht klar, wieso der OM nicht selbst Draht ablängen und Balune herstellen kann. Wie es geht, zeigt unter anderen Max, HB9ACC, in seinem “Praxisbuch Antennenbau“, ein Buch das ich wärmstens empfehlen kann. Wenn ich auf eine Insel ziehen würde und nur ein einziges Antennenbuch mitnehmen könnte, würde es das sein.

73 de Anton

Bild: Nochmals ein Amifass aus Ystad. Mich faszinieren diese Dinosaurier des Automobilbaus. Stellt euch vor, wieviel Funkkram in so einen Kofferraum passt :-)

 

 

 

SK6RUD

Unter dem Call SK6RUD, südöstlich von Göteborg in JO67ki, laufen zurzeit drei Bakensender: 500 kHz, 3542.5 kHz and 10133 kHz. Wer sich für die Ausbreitung in Richtung Skandinavien interessiert, sind das gute Indikatoren. Auf 80/30m beträgt die Sendeleistung je 500mW, auf 600m sind es 3W ERP. Hier das Log der Empfangsberichte für die 500 kHz Bake. Die am weitesten entfernte Empfangsstation auf diesem Band war AA1A in 5832km. Auch in der Schweiz ist die 600m-Bake nachts bei guten Ausbreitungsbedingungen zu hören.

73 de Anton

Bild: Ein weiterer Strassenkreuzer aus Ystad, Schweden. Ein alter Cadillac.