Funk gegen VDSL, Zwischenbericht

Liebe Funkfreunde

Hier ein kurzer Zwischenbericht zum Stand der Störproblematik. Wie ich kürzlich hier berichtet habe, vertragen sich VDSL und Kurzwellenfunk nicht so gut, da sie denselben Frequenzbereich benutzen. Glücklicherweise habe ich aber noch einen Kabelanschluss im Haus, der nicht nur Fernsehen, sondern auch Internet und Telefonie anbietet. Trotzdem nahm es mich wunder, wie die Swisscom auf eine Störungsmeldung reagieren würde. Ich rief also das Fräulein vom Störungsdienst an. Das Fräulein war leider ein Roboter und ich musste verschiedene Tasten drücken, um Sprache und Art meiner Meldung zu bestätigen, bis ich den üblichen Bescheid erhielt: “Alle unsere Techniker sind leider besetzt.” Doch nach einiger Wartezeit, notabene kostenfrei, meldete sich ein freundlicher Herr, ein IT-Spezialist. Nun, IT-Spezialisten sind in der Regel keine HF-Spezialisten, und das merkte ich sofort. Für den Mann war ich ein Irrläufer mit einem exotischen Problem, und ich hörte es seiner Stimme an, das er nicht schlüssig war, ob er ein echtes Problem, einen Verrückten oder einen Wichtigtuer am anderen Ende der Leitung hatte. Ich erklärte ihm also wie VDSL funktionierte, HF-mässig, versteht sich. Und fragte ihn, was die Swisscom für solche Fälle wie mich vorgesehen habe. Nichts, natürlich, und schlimmer noch: ich war der Erste mit einem derartigen Anliegen. Also präsentierte ich ihm eine Lösung: “Wie wäre es, wenn Sie mich von VDSL auf ADSL zurückschalten würden?”

Zu meinem Erstaunen war er nach fünf Minuten internen Rückfragens einverstanden und versprach mir, meinen Anschluss auf ADSL zurück zu stufen. Wenig später erhielt ich eine Bestätigungs-Mail einer Sekretärin. Ich würde am Neunundzwanzigsten von ADSL auf VDSL umgeschaltet, hiess es fälschlicherweise. Ich verzichtete auf eine Korrektur und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Am 29sten verschwand tatsächlich das Rauschen auf Kurzwelle, bzw. sank auf den vorherigen Pegel hinunter. Rasch mit 800W auf 160m, die Verbindung hielt. Ich war wieder auf ADSL. Das Internet war wieder etwas langsamer. So What?

In der Zwischenzeit war ich aber auf den Geschmack gekommen und orderte trotzdem das Internet meines Fernsehkabel-Betreibers. Auch das klappte wunderbar. Ich erhielt einen passenden Router und ein WLAN. Die Installation war ein Klacks.

Als ich das nächste Mal den Transceiver einschaltete, erwartete mich die Hölle. Ein Knattern und Heulen auf dem ganzen 160m Band, mit einem Spitzenwert bei 1991 kHz – ausgerechnet. Ich war vom Regen in die Traufe geraten. Was war geschehen?

Sowohl der Router wie auch das WLAN wurden mit winzigen Netzadaptern gespeist, made in China, CE-Zeichen inklusive, versteht sich. Wie die meisten dieser Dinger, waren auch sie ausgemachte Dreckschleudern. Solide Enstörkomponenten werden eingespart, sie hätten in den kleinen Gehäusen auch keinen Platz. Die ganze CE-Geschichte kontrolliert niemand (CE heisst wohl in Wirklichkeit China Elektronik). Wenn man die Netzteilchen mit der Hand berührt, so ändert sich übrigens das Störgeknatter und Gejaule im Äther. Ein lustiger Effekt, der vorzüglich den Zustand dieser Technologie dokumentiert. Übrigens hat unser neuer Luftbefeuchter, ein Venta, auch so ein Teil. Wenn ich auf 160m funke, signalisiert er, dass er Wasser braucht und stellt ab.

Alle diese Schaltnetzteile im Haus müssen entstört werden. Und da hilft nur eins: Ausgang und Eingang filtern. An den Netzeingang gehört ein gutes Netzfilter. Man findet sie zum Teil bereits eingebaut in Verteilschienen. Und an den Ausgang eine Sperrdrossel, wie oben im Bild. 10 Windungen auf einen Epcos-Ringkern mit dem Material N30, wie man sie zum Beispiel bei Conrad findet. Kerne mit geringerer Permeabilität sind Geldverschwendung. Klappdrosseln nützen nichts, die damit erzielten Induktivitäten sind viel zu gering und helfen höchstens auf UKW.

Zurzeit geht mein S-Meter tagsüber fast wieder auf Null zurück, und das an einer Inverted L, 12m hoch und 43m lang. Wenn ich den nackten 12m-Fahnenmast mit HF beglücke, ist der Störpegel auch nachts bei Null. Trotzdem ist auch der alles andere als ein Dummy Load. Dank einem guten Radialnetz.

In letzter Zeit häufen sich die Meldungen von OM über hohe Störpegel im 160m Band und viele haben deshalb diesen Bereich aufgegeben. Das muss nicht sein. Die meisten Störungen sind hausgemacht. Ein einziges unscheinbares Schrottnetzteil genügt, um den Spass am Funken zu verderben. Ein Plasmafernseher in der Nachbarschaft reicht, um im Umkreis von 100m und mehr die ganze Kurzwelle zuzumüllen.

73 de Anton

Wenn ich funke, stirbt das Internet

Hallo liebe Funkfreunde

Zuerst einmal vielen Dank für die netten Kommentare zum Ende meines Blogs. “Aha, er kann’s doch nicht lassen”, werdet ihr jetzt sagen, oder “Totgesagte leben länger”

Obschon es viel Interessantes und Merkwürdiges zu berichten gäbe: es braucht schon ein “verrückterliches” Ereignis, damit ich nochmals mein Log, pardon Blog, reaktiviere.

Und was gibt es Schlimmeres, als wenn man plötzlich nicht mehr funken kann?

Doch beginnen wir am Anfang der Geschichte: Letzte Woche bekam ich Post von der Swisscom. Einen nigelnagelneuen Router für unser WLAN. Gratis notabene. Ich hätte jetzt nicht mehr ADSL sondern VDSL und ich solle doch bitte das neue Gerät installieren und das alte entsorgen, es sei obsolet. VDSL sei viel besser, hiess es im Begleitschreiben und ich könne damit noch schneller surfen.

Gesagt getan, ich installierte die neue Technik und freute mich, dass das Internet immer noch lief. Ob es schneller ist, weiss ich nicht, vermutlich kann ich gar nicht so schnell klicken wie ich surfen könnte. Doch die Freude dauerte nicht lange. Genau gesagt einen Tag lang. Dann schaltete ich die KW-Station ein und drückte auf die Taste. “Das Internet ist weg”, rief es von unten. Tatsächlich, jedes Mal wenn ich sendete, starb das Internet. Auch wenn ich den TX auf QRP runterschraubte. Vor allem auf 160 und 80m. Und es dauerte immer eine ganze Weile, bis die Datenströme wieder flossen. Doch nicht nur das, ich bemerkte nun, dass der Störpegel auf den unteren KW Bändern merklich zugenommen hatte. Was war geschehen?

Mit meinem alten Modem und ADSL kamen die Daten per Mittelwelle ins Haus. Genauer gesagt zwischen 138 kHz und 1104 kHz. Das hat mich nicht weiter gestört. Doch das schnellere VDSL benutzt den KW-Bereich bis 30 MHz. Und zwar über die ungeschirmte Telefonleitung. Die ist zwar verdrillt, aber strahlt genauso wie die berüchtigte Power Line Technologie. Im Prinzip ist es der gleiche Schrott. Zumindest so lange wie die Glasfaser nicht bis zum WLAN-Router gezogen wird.

Im Bild oben sieht man, was passiert, wenn ich an meinem kleinen Spektrumanalyzer einen Meter Kabel anschliesse (1 Häuschen horizontal entspricht 2 MHz). Der Bereich bis ca. 10 MHz ist total zugemüllt. Der grosse Zacken links ist der Nullmarker, der erste Zacken rechts ist das 49m Rundfunkband, der zweite das 41m Rundfunkband.

Natürlich habe ich mal meine Telefoninstallation unter die Lupe genommen. Zugegeben, sie ist nicht das Gelbe vom Ei. Sie wurde in dem ganzen Haus herumgezogen (ein altes Bauernhaus) und der Installateur muss dabei etwas geraucht haben, das ich auch mal probieren möchte. Die Telefonleitung hat also genügend Länge um mein KW Signal aufzufangen. Damit wird das Modem offenbar nicht fertig. Mein Sendesignal zwischen den Daten verstopft es und bringt es aus dem Takt.

Was kann ich tun? Wo liegt die Lösung? Ich sehe drei Möglichkeiten:

  1. Ich kann mich über eine 800er Nummer bei einem netten Fräulein beim Helpdesk der Swisscom melden, und werde dann auf einen Telefon-Irrweg durch die riesige Swisscom geschickt, bis ich vielleicht auf einen Techniker treffe, der mein Problem versteht. Was noch nicht heißt, dass er es lösen kann.
  2. Ich kann die alte Telefonleitungen rausreissen lassen und durch eine abgeschirmte ersetzen und hoffen, dass es dann klappt.
  3. Ich kann zu meinem Kabel-TV Betreiber gehen und in Zukunft das Internet über das TV-Kabelnetz laufen lassen. Notabene günstiger und mit der gleichen Geschwindigkeit.

Dreimal dürft ihr raten, was ich tun werde ;-)

73 de Anton

Anton hört auf

In zwei Wochen erreiche ich den Punkt “10 Lambda von 50 MHz”. Zeit inne zuhalten, zurück zu schauen und vorwärts zu planen. Mit 60 sei man nur noch halb so schnell wie mit 20, habe ich irgendwo mal gelesen. Ob das stimmt, weiss ich nicht. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass die Zeit mit sechzig Jahren auf dem Buckel doppelt so schnell vergeht wie mit zwanzig? Wie dem auch sei. Es gilt neue Prioritäten zu setzen, abzuwägen und die die entscheidende Frage zu beantworten: “Was will ich?”

Es klingt wohl verrückt, aber das Schreiben hält mich vom Schreiben ab. Das viele Bloggen blockiert mein Buchprojekt. Ich bin stecken geblieben. Und wer stecken bleibt, kommt nicht vorwärts, er wird nur älter.

Darum habe ich beschlossen, Anton’s Funkperlen auf Eis zu legen. Obschon es noch viel zu erzählen und zu berichten gäbe. Aber ich will mich nicht auf Französisch verabschieden und einfach so durch die Hintertür verschwinden. Das bedeutet auch, dass das Tor zu den Funkperlen offen bleibt. Ich werde auch ab und zu die Links pflegen, tote rausschmeissen und neue einfügen.

Herzlichen Dank für eure rege Teilnahme, liebe Funkfreunde.

73 de Anton

Bild: Mein kleines Geheimnis und Hoffnung zugleich. Der CW-Sender für das 600m Band steht bereit. Leistung einstellbar von 10 bis 500 W.

500 kHz bedeutungslos?

Endlich haben sich die Europäer in der CEPT auf eine gemeinsame Basis für ein 600m Amateurfunkband einigen können, wie die USKA berichtet. Leider ist dabei das zukünftige Band von 15 auf 8 kHz geschrumpft. Ob und was noch davon übrig bleiben wird, werden wir nächsten Februar erfahren, wenn die internationale “Wellenkonferenz” WRC in Genf stattfindet. Auch hat sich das Band etwas nach unten verschoben. Die CEPT schlägt jetzt den Bereich von 472 bis 480 kHz vor, genügend weit weg von den Navtex-Stationen auf 490/518 kHz und der ZF-Frequenz 455 kHz. Auch die Lawinensuchgeräte  auf  457 kHz werden so nicht gestört. Die maximal zugelassene Leistung wurde etwas reduziert, nämlich von 10W EIRP, wie die Schweizer vorgeschlagen hatten, auf 5W EIRP.  Das ist jedoch kein Drama. 5W EIRP ist eine durchaus respektable Leistung und die meisten Amateurfunkstationen werden 100W oder mehr in die vorhandenen Drahtantennen reinpumpen müssen um diesen Wert zu erreichen. Mit abgestrahlten 5W lassen sich auf der 600m Welle tagsüber schöne CW oder PSK-QSO’s über einige 100km fahren. Nachts sollte problemlos Europaverkehr möglich sein, wie die vielen 500 kHz Bakensender zeigen. In Winternächten mit guten Ausbreitungsbedingungen wird man mit dieser Leistung auch den Atlantik überbrücken können, ohne auf extrem langsame Modulationsarten zurückgreifen zu müssen.

Die Nörgelseite oft etwas kritische Seite  Amateurfunk.ch schreibt dazu in einer kurzen Mitteilung:

Die Zuteilung wird damit bedeutungslos, lediglich einige Spezialisten werden sich mit Experimenten mit diesen Mittelwellen-Frequenzen befassen.

Wieviele “Spezialisten” sich schliesslich mit der 600m Welle befassen werden, werden wir noch sehen. Im Gegensatz zu 136 kHz wird es für die Gerätehersteller viel leichter sein, 500 kHz in einen KW-Transceiver zu integrieren. Wenn dieses Band weltweit zugelassen wird, werden wir meines Erachtens bald einen Transceiver zu sehen bekommen, der auch auf 500 kHz 50 oder 100 W bringen wird.

Aber auch, wenn sich die Masse der Funkamateure nicht mit diesem Band beschäftigen wird: Ist es deshalb “bedeutungslos”? So gesehen wären sämtliche Mikrowellenbänder ebenfalls “bedeutungslos.”

Aber vielleicht meint der Verfasser nur, dass es für ihn selbst bedeutungslos sei, wer kann das schon wissen. Amateurfunk.ch kennt ja weder eine Kommentarfunktion, noch Links. Sie dreht sich im eigenen Saft – im Gegensatz zu Hamnews.ch. Aber deshalb würde ich sie nicht als “bedeutungslos” abtun :-)

73 de Anton

PS. Die Limitierung des EIRP anstelle der Sendeausgangsleistung ist eine gute Sache. Sie macht die Spiesse für alle gleich lang. So können keine Superstationen mit Monsterantennen alle anderen in Grund und Boden fahren. Allerdings lässt sich das EIRP auf 600m, wie bereits auf 136 kHz, nur schwer und mit einer gewissen Toleranz bestimmen/berechnen ;-)

Bild: Mikrowellenchaos auf dem Stationstisch. Hinten 13cm Transverter, vorne 60W PA für 23cm.

Backfire

Dieses Wochenende finden auf UHF und den Mikrowellenbändern wieder Konteste statt. Das Wetter ist gut und es sieht nach Überreichweiten aus. Wer wissen will, wo auf UKW angehobene Bedingungen herrschen, dem hilft vielleicht diese Karte weiter.

Es soll immer noch OM geben, die meinen, auf UHF mit einem Blindenstock mitmischen zu können. Wenn möglich noch mit einer Rolle RG-58 gespeist. Wer auf den UHF und Mikrowellenbändern weiter kommen will als bis zum nächsten Relais, braucht eine anständige Richtantenne und zwar mit horizontaler Polarisation. Das gilt übrigens auch für das 2m Band. Mit einer einfachen Yagi, 2 Lambda lang und 100 Watt sind in SSB jederzeit Verbindungen möglich, die die Reichweite von FM Relais in den Schatten stellen.Kanalarbeiter wissen gar nicht, was sie alles verpassen :-)

Auf 23cm sollte man es schon gar nicht mit einer Vertikalantenne versuchen. Enttäuschung ist vorprogrammiert. Wie auch immer, für Antennenbau bis zum Kontest wird die Zeit knapp. Ich empfehle Mutters Kuchenblech in eine Backfire umzurüsten.

Auch wenn unsere griechischen Freunde wegen finanzieller Probleme zurzeit nicht gerade hoch im Kurs stehen, über Antennen wissen sie Bescheid. Auch über die vorgenannte Backfire. Hier mehr dazu. Rund um die warmen Gewässer des Mittelmeeres dürften Überreichweiten wesentlich häufiger sein, als hierseits der Alpen. Darum schätzen auch die Italiener nebst Pasta und schwerem Rotwein Backfire Antennen. Aber auch die Slowenen wissen um die Einfachheit und Effektivität dieser Antennen. Natürlich kann man die Dinger auch kaufen, zumindest für das WLAN Band bei 2.4 GHz. Ich hab’s zwar nicht ausprobiert, aber man kriegt die sicher auch auf 2.32 GHz zum Laufen, wenn man ihnen mit dem Lötkolben droht. Wenn Mutter das Kuchenblech nicht hergeben will, bleibt nur noch der Bau einer Yagi. Hier ein gelungenes Exemplar nach DL6WU für das 23cm Band.

73 de Anton

Bild: Kondensatoren warten auf die Surplus Party in Zofingen, die in den letzten Jahren auch ein beliebter “Pilgerort” für unsere Freunde aus dem “grossen Kanton” geworden ist.

13cm – das vergessene Mikrowellenband

Im ISM Band auf 2.4 GHz läuft alles was Rang und Namen hat: seit Jahrzehnten brummen dort unsere Mikrowellenöfen, später gefolgt von WLAN’s und Bluetooth, und vielen weiteren drahtlosen Helferlein in und rund ums Haus. Um damit zu “funken” braucht es keine Lizenz und keine Konzession.

Wir Funkamateure “wohnen” gleich darunter, auf 2.3 GHz. Doch das Band ist ein Stiefkind. Auf dem untersten Mikrowellenband, auf 23 cm tummeln sich die meisten Funkamateure, die sich auf die rauschenden Bänder jenseits der GHz-Grenze wagen. Für dieses Band gibt es auch noch fertige Geräte zu kaufen, wie den IC-9100. Man braucht sich nicht einmal mit dem richtigen Verkabeln von Transvertern herumzuschlagen. Plug and Play und schon ist man auf 23cm QRV, sofern das nötige Taschengeld vorhanden ist. Wer auf den Geschmack kommt und vor kleinen Basteleien nicht zurückschreckt, der macht dann oft den grossen Sprung auf 10 GHz. Dort tummeln sich schon viele Gleichgesinnte und das Band bietet eine neue Ausbreitungsart: Regenscatter.

Nur ganz Angefressene interessieren sich für die Bänder zwischen 23 und 3 cm. Natürlich spielt auch die unterschiedliche Frequenzzuteilung in den einzelnen Ländern eine Rolle. Auf 2320 MHz, im Schmalbandsegment, dürfen wir Schweizer zum Beispiel nur mit einer Spezialbewilligung funken. ich habe kürzlich eine solche vom BAKOM erhalten – rasch und unkompliziert per Email. Früher war das schwieriger, als noch die Richtfunkstrecken dominierten. Doch heutzutage hat die Glasfaser den Parabolspiegel abgelöst.

Das 13cm Band hat viel mit dem 23cm Band gemeinsam. Ob das mit ein Grund ist, wieso dieses Band häufig übersprungen wird? Was für 10 GHz der Rainscatter ist, ist für 23 und 13 cm Flugzeugscatter. Nicht vergebens laufen die grossen Flugradars in diesem Bereich. Mittels Reflexionen an Verkehrsflugzeugen lassen sich jederzeit Entfernungen von einigen hundert Kilometern überbrücken, ohne dass man auf Inversionsschichten in der Troposphäre warten muss. Interessant ist in diesem Zusammenhang, die Flugzeugbewegungen über Europa zu beobachten. Hier auf dem Internet in Echtzeit und mit allen Angaben zum Flugzeug, Abflug- und Zielort, Höhe und Geschwindigkeit.

Doch Aircraft-Scatter ist keine QRP-Betriebsart. Die Impulse der Radaranlagen bewegen sich im Megawatt-Bereich! Einige KW ERP sollte man also schon auf die Beine bringen. Doch gerade auf 13cm ist das heute ein Kindergeburtstag. Surplus Linearverstärker von Spectrian werden auf Ebay zu knapp 100$ verkauft. Die Platinen bringen 75W bei 1.25W Input. Eine mittlere Yagi dran und schwuppdiwupp ist man im Kilowatt-Bereich. Doch Vorsicht ist die Mutter des Mikrowellenofens (500-800W). So wie niemand seine Katze in solch einem Ofen trocknen würde, sollte man sich nicht ins “Schussfeld” seiner Antenne begeben. Ein bekannter OM hat mir gegenüber die Vermutung geäussert, dass ihm vermutlich wegen seiner EME-Anlage die Kopfhaare ausgegangen sind. Bei Tests hatte er erst bemerkt, dass er direkt in seinen Funk-Shack beamte, als seine Kopfhaut glühend heiss wurde.

Auch im 23cm Band kommt man nun preiswert zu Power. Seit kurzem ist bei mir eine 60W Endstufe von Roberto DG0VE in Betrieb und ich bin damit sehr zufrieden. Kuhne ist natürlich auch eine Alternative. Mit diesen Leistungen braucht man nicht mehr auf hohe Berge zu klettern um einige 100km zu überbrücken. Wichtig ist allerdings, dass man die Leistung nicht wieder in einem langen Kabel und schlecht montierten Steckern verliert. RG-213 ist in diesen Bereichen ein No Go. Gar nicht zu reden von RG 58 und PL-Steckern :-(

Bei mir befinden sich gerade mal 2m Ecoflex-10 zwischen PA&Vorverstärker und Antenne. Eine Erfahrung mit einem 1m-Stück RG-58 und einigen miesen Adaptern/Steckern plus Koaxrelais, die mir 3dB weggefressen haben, hat mich in dieser Angelegenheit sensibilisiert.

73 de Anton

Klassengesellschaft

Es ist immer wieder interessant, was so alles in den Amateurfunk-Zeitschriften geschrieben wird. Im neusten “Funkamateur” trifft man auf eine Marktübersicht der käuflichen KW-Transceiver. Und wie es in Deutschland so üblich ist, werden die in Klassen eingeteilt, von Einsteiger bis Spitzenklasse. Wie bei den Automobilen. Ob die Spitzentransceiver auf den Bändern auch automatisch Vorfahrt haben, wie die Oberklasse-Limousinen auf den Autobahnen, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Da liest man also zum Beispiel, dass ein K3 von Elecraft zu der unteren Mittelklasse gehört. Genauso wie ein TS-590S. Ein Icom IC-7410 jedoch gehört zur oberen Mittelklasse, wie auch ein FT-950 von Yaesu. Da komm ich doch etwas ins Grübeln. In der gleichen Zeitschrift wird auch über den DSP-Chip im Baofeng UV-3R berichtet. Mehr oder weniger dasselbe, was ich hier in diesem Blog schon geschrieben habe. Grübel, Grübel – aber der ist jetzt ja weg bei der UBS.

Wer im Internet nach Boxkite-Antennen googelt, stösst natürlich auf Drachen. Im neusten DUBUS erfährt man aber, dass es auch VHF/UHF-Antennen in Kastendrachen-Form gibt, sogenannte Boxkite-Yagis. Dieser Yagi-Typ erzielt mit einem etwa dreimal kürzeren Boom gleich gute oder bessere Resultate wie eine klassische Yagi. Schade, dass es dafür noch keinen Hersteller gibt.

Auch im CQ-DL wird eine Yagi für VHF/UHF vorgestellt. Ein kleiner Zweielementer nach dem bekannten Moxon-Prinzip. Wieso man eine schon sehr kleine 2 Element Yagi für 70cm noch kleiner machen muss, indem man die Elemente an den Enden zurückbiegt, weiss ich nicht. Da bringt doch eine HB9CV die besseren Ergebnisse bei gleichem oder geringeren Aufwand. Wie dem auch sei, im QST wird genau das gleiche Thema angeschnitten und ein Moxon-Beam für 70cm erklärt.

73 de Anton

Bild: Typisches Mensch-Kuh-Filter, in der Nähe des Creux du Van im Jura.

Zu viele Conteste

Der RAOTC, der Radio Amateur Old Timers Club, hat anlässlich seiner letzten GV in Olten beschlossen, bei der USKA vorstellig zu werden und sich über die vielen, fast jedes Wochenende stattfindenden Conteste zu beschweren. Der Obmann der Vereinigung, Renato HB9NW, hat dies mit einem Brief an den USKA Vorstand getan, der in den Old Timer News Nr 178 veröffentlicht wurde.

“Rücksichtslos werden ganze Bandsegmente durch diese 599-Übungen belegt”, schreibt HB9IN. Das verunmögliche normalen Funkbetrieb auf unseren ohnehin überlasteten Bändern. Conteste würden inzwischen fast jedes Wochenende stattfinden. Doch viel schlimmer sei das falsche Signal über die Art und Weise wie wir unsere Frequenzen benutzen, das damit nach aussen gegeben werde. Unter diesen Umständen würde es immer schwieriger, die Regulierungsinstanzen vom Erhalt oder sogar der Erweiterung unserer Frequenzen zu überzeugen.

Der RAOTC ist übrigens ein Club, dem zurzeit 165 altgediente OM’s angehören, die in der Regel auch USKA Mitglieder sind. Der Club existiert seit 1978 und gibt quartalsweise ein Bulletin heraus mit vielen interessanten Beiträgen zur Funkgeschichte.

HB9NW betont in seinem Schreiben, dass die Mitglieder des RAOTC nichts gegen die etablierten, klassischen “funksportlichen” Veranstaltungen haben. Doch neben diesen nationalen und internationalen Contesten würden laufend neue erfunden.

Ich kann dem nur zustimmen. Was zurzeit punkto Conteste abläuft ist glatter Overkill. Aber ich bin nicht generell gegen Wettbewerbe, Conteste haben sehr wohl eine wichtige Funktion. Sie dienen u.a. dem Training der Operateure. Und das haben einige doch sehr nötig ;-)

73 de Anton

Bild: Ein Stein zum “beschweren”. Granit von der Insel Bornholm.

Neue Perle?

Automatische Tuner gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Viele jedoch nur für den Stationstisch. Der beste Ort für einen Antennentuner ist jedoch der Speisepunkt der Antenne. Nur dort kann er für eine gute Anpassung der Antennenimpedanz an die Speiseleitung sorgen. Diese sogenannten Remote-Tuner gab es, wenn mehr als 100 bis 200W gefragt waren, bisher nur von SGC, CG und ein paar Herstellern von kommerziellen Funkgeräten.  Jetzt hat auch MFJ nachgezogen: mit dem MFJ-998RT ist nun ein Remote-Tuner verfügbar, der bis zu 1.5 kW verträgt, die in den USA maximal zugelassene Leistung. Allerdings ist der Anpassbereich von 12 bis 1600 Ohm nicht gerade berauschend. Die angegebenen Maximalwerte für die Induktivität und die Kapazitäten, lassen darauf schliessen, dass er mit kurzen Antennen auf 160m seine liebe Mühe haben wird. Andererseits wartet das Teil mit Features auf, die bisher bei Remote-Tunern unbekannt waren. Zum Beispiel einem eingebauten Frequenzzähler, einer “Audio-SWR-Anzeige” und einer eingebauten LCD-Anzeige für alle wichtigen Parameter, inklusive L und C! Damit wird die Fehlersuche wesentlich einfacher, wenn mal die Antenne nicht so will, wie OM das wünscht. Der Tuner stimmt schon mit 5Watt ab und ist mit 20’000 nicht volatilen Memories ausgestattet. Das Ziel-SWR des Tuners lässt sich von 1.0 bis 2.0 einstellen, ebenfalls die Abstimmschwelle. Das Teil wiegt 4.3 kg und ist recht gross: 350 × 159 × 457 mm. Die verwendeten Relais schalten 16 Ampère und halten 1000 Volt aus. Es scheint also, dass der Tuner ziemlich robust gebaut ist. Bleibt zu hoffen, dass die Qualitätskontrolle bei diesem Produkt besser ist, als in der Vergangenheit bei anderen MFJ Geräten.

73 de Anton

PS. Danke, Pascal, für den Hinweis

Bild: Der Sender “vor meiner Haustür”

Der Icom IC-7410

Heute ist die neuste QST bei mir in den Postkasten geflattert. Die Oktober Ausgabe. QST ist die Zeitschrift der amerikanischen ARRL. Meines Erachtens eine der besten Amateurfunk-Publikationen. Neben vielen interessanten Artikeln über Antennen und Expeditionen enthält die Oktober-Ausgabe auch einen Testbericht des IC-7410.  Hier ein paar Highlights aus diesem Test:

Der Autor, Rick Lindquist, WW3DE, hat ihn mit seinem IC-756ProIII verglichen. Und da erstaunt es nicht, dass ihm als erstes auffiel, dass das Gerät nicht zuerst 10 Sekunden lang booten muss, sondern sofort startet. In der Tat, war der ProIII der letzte der Reihe, der diese Eigenschaft aufwies. In der Zwischenzeit hat sich bei der digitalen Signalverarbeitung einiges getan. Und so musste Rick feststellen, dass der IC-7410, obschon im tieferen Segment angesiedelt, den ProIII punkto Grosssignalverhalten übertraf. Auch andere DSP Funktionen sind gemäss Testbericht besser: Zum Beispiel die Noise Reduction (NR). Und tatsächlich: Vergleicht man die Messresultate mit dem früheren Test des IC-7600, so muss man feststellen, dass der IC-7410 mindestens ebenso gut oder besser ist und in einigen Punkten sogar zu Icoms Spitzentransceiver IC-7800 aufschliessen kann. Kein Wunder, kommt der Tester zum Schluss, dass der neue Transceiver zwar nicht der beste, aber sehr gut sei.

Schon beim IC-7200 konnte ich feststellen, dass die DSP Fortschritte gemacht hatte. Im praktischen Betrieb konnte ich keine grossen Unterschiede gegenüber meinem älteren und dreimal so teuren ProIII feststellen. Einzig bei der AGC. Die Anstiegszeit ist viel zu kurz und bei jedem leichten Knacken spricht die AGC sofort an und regelt den Empfänger zu. Besonders störend ist das auf 160, 80 und 40m, wo ich deswegen den NB dauernd eingeschaltet lasse. Genau das bemängelt der Tester beim IC-7410 auch. Die AGC ist offenbar bei der DSP noch eine Problemzone.

Aber an einer anderen Front gibt es dafür Entwarnung: Der IC-7410 ist zwar etwas schmaler, dafür wesentlich länger als der ProIII oder sein Nachfolger IC-7600, und das hat seinen guten Grund. Der Kühlung des Transceivers wurde offenbar grosse Aufmerksamkeit zu Teil. Sein direkter Vorgänger, der IC-7400 (IC-746Pro in den USA) hatte nämlich ein Wärmeproblem und war “berühmt” für entsprechende Ausfälle. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass Icom der Wärmeabfuhr seiner Transceiver früher wenig Beachtung geschenkt hat. Mein ProIII wird sehr heiss und auf meinem IC-910 kann ich bei FM-Betrieb mit voller Leistung Spiegeleier braten.

Übermässige Hitze verkürzt das Leben der Elektronik, auch wenn das einige abstreiten. Zum Beispiel Adam Farson, AB4OJ, der diesbezügliche Diskussionen in seinen Yahoo-Groups immer wieder abklemmt. Doch schauen wir weiter, was Rick Lindquist in der QST über den IC-7410 berichtet:

Er findet das Menu nicht gerade intuitiv. Whatever that means, hi. Doch das ist keine Katastrophe. Denn auf der Frontplatte findet man Regler für alle oft verwendeten Funktionen und so kann man, einmal eingestellt, dasMenü Menü bleiben lassen. Wo man bei anderen Geräten immer wieder ins Menü abtauchen muss – zum Beispiel um die Sendeleistung zu verstellen – hat der 7410er einen Regler. Auch ich finde die Bedienungsergonomie des Icoms hervorragend.

Rick meint in seinem Bericht, die Knöpfe seien überraschend gross und handlich und ihm liege z.B. der Abstimmknopf besser in der Hand als der seines älteren ProIII. Ich denke, dass dies ein wichtiger Punkt ist, denn damit muss der Operateur schließlich arbeiten. Was nützen gute elektrische Daten, wenn ich mich täglich über die umständliche Bedienung aufrege?

Doch wo hat Icom gespart? Das Gerät ist ja preislich weit unter dem IC-7600 angesiedelt.

Natürlich beim Display und bei der Spektrumanzeige. Das Gerät verfügt nur über einen rudimentären Frequenzscanner, bei dem der Empfänger stumm geschaltet wird. Immerhin lassen sich auf dem Display aber SWR-Kurven der verwendeten Antenne aufzeichnen. Ein tolles Feature. Gespart wurde auch bei den Leuchtdioden. Alle Anzeigen erfolgen auf dem Display und Rick meint, dass sich so ein eingeschalteter RIT leicht übersehen lasse.

Und natürlich wurde bei den Bändern gespart, was einem bei der Betrachtung der Rückseite auffällt: Abdeckungen sitzen dort, wo bei der Vollversion des Transceivers Buchsen für die Bänder 2m, 70cm und 23cm sind. In diesem Zusammenhang muss man auch wissen, dass der Vorgänger, der IC-7400, noch das 2m Band beinhaltet hat. Da hat ganz klar ein Downgrade stattgefunden.

Positiv aufgefallen ist beim IC-7410 die Empfindlichkeit auf der Lang- und Mittelwelle. Sowohl auf dem 136kHz, wie auch auf dem 500 kHz Band ist das Teil genügend empfindlich um ihn als vollwertigen Empfänger einzusetzen. Zum Beispiel zusammen mit einem selbst gebauten 136 kHz Sender.

Zu berichten gäbe es noch gar manch interessantes Feature. Der IC-7410 hat von seinen Vorgängern offenbar das Beste übernommen und Rick kommt zum Schluss, dass das Gerät zwar preislich im unteren Teil des Marktsegments angesiedelt wurde, doch leistungsmässig im oberen Drittel. Wer sich also mit KW+6m und Abstrichen beim Display zufrieden geben kann, für den ist der 7410er sicher eine ausgezeichnete Wahl.

73 de Anton

PS. Das Gerät hat kräftig Durst: Bei Empfang säuft das Teil bereits 3A, beim Senden 23A. Ein Upgrade beim Stationsnetzteil ist u.U. ins Auge zu fassen.

Bild: öfter mal eine neue Antenne. Eine einfache Halterung neben dem Dachfenster macht’s möglich. Hier eine HB9CV für 50 MHz. Rechts davon eine Mobilantenne für 2m und 70cm.