Funken mit der Brechstange

Viele Funkamateure träumen davon, doch nur ganz wenigen ist es vergönnt, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Funken mit einer Extremstation. Ich kann euch versichern, es ist ein überwältigendes Gefühl. Doch meine Stunden, die ich unter dem 125m Mast von Sottens an der Langwellenstation verbrachte, sind nichts im Vergleich zu der Operation von Radio Arcala, OH8X. Diese Funkstation unter dem Polarkreis wurde von einer Gruppe finnischer Funkamateuren vor allem für Conteste eingerichtet.

Das Wichtigste an einer Funkstation sind die Antennen und so stehen auf dem 20 Hektaren grossen Grundstück sieben Masten: der höchste ist über 100 Meter hoch und trägt unter anderem einen 5 Element Beam für 80m und einen 3 Element Beam für 160m. Das Gewicht dieses Towers mit seinen Antennen beträgt 40 Tonnen, hat einen 11kW Motor für den Rotor und allein für die rot-weisse Bemalung wurden 600 Liter Farbe benötigt.

Einen Eindruck dieser Antennenanlage gibt dieser Film, bei der sich drei Base Jumper vom 160m Beam in die Tiefe stürzen.

Die meisten von uns müssen wesentlich kleinere Brötchen backen. Dass man aber auch von einem Balkon aus mit Erfolg QRV sein kann und allerhand Antennen erstellen und ausprobieren kann, zeigen die Fotos von Bruno, HB9EZE (bitte runter scrollen). Das Maximum aus seinem eigenen kleinen QTH herauszuholen ist meines Erachtens eine ebenso grosse Herausforderung, wie das Erstellen einer Extremstation. Und das Ausprobieren und Funken vom Balkon ist vermutlich auf die Dauer interessanter als das Funken mit der Brechstange. Ich erlebe es nämlich immer wieder, dass die OM’s, die um jeden Zentimeter Antenne kämpfen müssen, aktiver sind, als die mit einer Superstation. Wer sich alles leisten kann, dem wird eben schnell mal langweilig.

73 de Anton

Eine eierlegende Wollmilchsau aus China

Cami, HB9EXF, hat mich auf ein gar wunderliches Gerät aus China aufmerksam gemacht, ein 2 Band Handy für 2m und 70 cm von Pouxin. Handfunken aus China gibt es zwar wie Sand am Meer und meistens beinhalten sie noch ein FM-Radio und eine Taschenlampe. Doch das neuste Pouxin kann mehr, wie das grosse Display und die Tastatur erahnen lassen. Es kann nämlich noch telefonieren. Und zwar nicht nur einfach, sondern doppelt, kann man doch zwei Sim-Karten gleichzeitig rein stecken, eine für die Frau und die andere für die Freundin :-)

Obschon das bereits reichlich verrückt ist, kann das Teil noch mehr: es ist zum Beispiel auch eine Kamera und ein MP3 Player. Aber auch das reicht dem modernen Menschen noch nicht, will er doch in jeder Sekunde voll unterhalten werden und wenn gerade niemand telefoniert und niemand QRV ist, dann kann man mit dem PX-D03 auch fernsehen oder spielen.

Leider kann es kein GPS, oh du Schande. Ich könnte mich nämlich ob all den Spielereien irgendwo verlieren. Aber ich habe kein derartiges Gerät und werde mir auch nie eins kaufen. Denn mein Traum von einer eierlegenden Wollmilchsau sieht etwas anders aus: kein Telephon, kein MP3, Fernseher oder Kamera. Dafür zusätzlich noch das 23cm Band und SSB/CW. Ein eingebautes Feldstärkemessgerät und einen Antennen-Analyzer. Der RX durchgehend von Längstwellen bis 2.5 GHz, mindestens. Meinetwegen auch noch GPS und D-Star, obwohl ich von letzterem (noch) nicht überzeugt bin.

Doch wie kommen die Chinesen auf die abgefahrene Idee, all diesen Konsum-Klamauk in eine Handfunke zu quetschen? Und überhaupt: Wieso gibt es so viele und immer wieder neue Handfunken aus Fernost? Wir alle haben ja schon mindestens ein Drittgerät.

Diese Dinge sind nicht in erster Linie für uns Europäer gedacht, sondern für andere Märkte. Von den zwei Millionen OM weltweit, befinden sich knapp 700’000 in den USA, etwa 450’000 in Japan, wobei die meisten “nur” eine UKW-Lizenz besitzen, und 250’000 in Thailand. Auch dort die meisten mit UKW-Lizenzen. Wir in der Region 1, Europa-Afrika zählen nur ca. 400’000 Lizenzierte.

Doch das ist noch nicht alles: In vielen Regionen der Welt werden Amateurfunkgeräte von Nicht-Amateuren für alle möglichen Zwecke eingesetzt.

Ach ja, wenn ich mir’s recht überlege, möchte ich in meiner eierlegenden Wollmilchsau noch Zugriff auf einen DX-Cluster und auf E-Mail :-)

73 de Anton

Bild: Bert, HB9DCE, an seiner “DX-Station”. Bert gehört zu den Schweizer Langwellenpionieren und funkt vorzugsweise mit alten Schweizer Militärgeräten. Insbesondere dem SE-222 wie auf dem Foto zu sehen ist.

Hurricane Irene

Der Hurrikan Irene befindet sich zurzeit etwa 400km südöstlich Nassau, der Hauptstadt der Bahamas. Seine voraussichtliche Zugbahn führt der amerikanischen Ostküste entlang und es scheint zur Zeit, dass er noch New York in Hurrikanstärke erreichen könnte.

WX4NHC ist die Station des National Hurricane Centers NHC und ist im Hurricane Watch Net auf 14325 kHz zu hören.

73 de Anton

 

Alle wollen Baofeng

Das Baofeng UV-3R scheint sich grosser Beliebtheit zu erfreuen. Das liegt natürlich am Preis. Bei unter 50$ sitzt das Portemonnaie locker, auch wenn man schon drei andere Handys besitzt. Ob die verschiedenen Farben auch ein wenig zur Popularität beitragen? Sie sind ein wohltuender Kontrast zu dem Einheitsdesign in Anthrazit. Neuerdings gibt es den Zwerg  auch noch in frechem Gelb. Mein Favorit für den Fall, dass ich noch ein Zweitgerät vom Drittgerät brauche.

Doch der Winzling hat auch seine Schattenseiten. Nebst der zu hohen Oberwellenstrahlung auf 288 MHz, wird vorallem die Lautstärke moniert. Das Gerät ist vielen auf der untersten Stufe noch zu laut. Wahrscheinlich für die Fraktion der “Unter-der-Bettdecke-Funker.” Doch auch hier gibt es bereits Abhilfe durch Modifikationen. Manche machen nur den Funk leiser, andere auch den Radio und den Bieper, und ganz Gescheite alle drei.

Mehr rund ums Baofeng erfährt man auf dieser Seite hier. Und hier sind die verschiedenen Farben zu sehen, die zur Auswahl stehen. Fehlt nur noch Pink.

Dass die mitgelieferten Antennen nicht das Gelbe vom Ei sind, ist bekannt. Auch, dass einige der angebotenen Kürzestantennen nicht resonant und Fake sind. Natürlich nervt auch der ewige Antennenwechsel von 2m auf 70cm und zurück. Auf meinem Gerät steckt deshalb eine Nagoya NA-773. Es handelt sich um eine Dualband Teleskopantenne. In Hongkong kostet das Teil nur ein paar Dollar und hat den Vorteil, dass es zusammen geschoben in die Hemd- oder Hosentasche passt.

Als Zubehör für Elektrohysteriker gibt es auch diese Ausrüstung, die aber ein geübter Bastler leicht selbst herstellen kann :-)

73 de Anton

Bild: Wie wärs mit einem Fasswagen als Shack?

Ein erster Blick unter die Haube beim IC-910H

Der IC-910H wird nicht mehr produziert und wer noch einen finden will, der muss sich sputen. Eines der letzten Exemplare ist auf meinem Stationstisch gelandet und nach einigen QSO’s habe ich ihn nun genauer unter die Lupe genommen. Infos über diesen VHF/UHF-Transceiver findet man nicht besonders viele und bei Yahoo gibt es nur eine, notabene französische Gruppe, die sich mit dem Gerät befasst.

Natürlich ist das Teil nicht mehr der letzte Schrei, seine Entwicklung liegt mehr als zehn Jahre zurück. DSP hat nur im Audioteil Einzug gehalten, in Form eines nachrüstbaren DSP-Units. Davon können sogar zwei montiert werden, eines für den Hauptempfänger und eines für den Zweitempfänger. Um es gerade vorweg zu nehmen: der Kauf der DSP-Unit ist Geldverschwendung. Das Notchfilter braucht man auf UKW nie und die Rauschunterdrückung bringt kein Mehr an Verständlichkeit. Ist sie eingeschaltet, muss man den Lautstärkeregler aufdrehen um den gleichen Lautheitseindruck zu erhalten. Die Verständlichkeit wird m.E. dadurch nicht besser. Überhaupt bin ich noch nie einer NR begegnet, die mich überzeugt hätte. Mein Ohr braucht offenbar ein bisschen Rauschen :-)

Der Einbau dieser DSP-Unit (UT-106) ist recht einfach, im Gegensatz zu den anderen Zusatzausrüstungen. Um das zusätzliche CW-Filter zu installieren, muss das Motherboard demontiert, und das Filter eingelötet werden. Natürlich können auch hier zwei Stück, eines für den Hauptempfänger und eines für den Zweitempfänger eingebaut werden. Listigerweise sind die Filtertypen unterschiedlich. Also aufgepasst!

Beim zusätzlichen Quarzofen fängt der Spass aber erst recht an. Die DSP-Platine muss raus, der Quarzoszi muss ausgelötet werden und dann müssen die Lötaugen für den TCXO freigesogen werden, damit dieser eingelötet werden kann. Und dann, oh Schreck, stellt man fest, dass der neue Oszillator neben der Frequenz steht. Na ja, von Frequenzgenauigkeit war ja nicht die Rede, nur von Frequenzkonstanz :-)

Wer keinen Frequenzzähler hat, ist jetzt aufgeschmissen. Und wer einen besitzt muss zuerst auf der die Endstufe öffnen um an den Messpunkt zu kommen. Trotzdem kann ich den Ofen-Oszi wärmstens empfehlen, denn ohne eiert die Frequenz umher, was besonders auf 23cm lästig ist. Und damit wären wir beim 23cm Unit:

Ohne dieses ist das Gerät nur halb so interessant. 2m und 70cm kann ja fast jeder Yaesu Transceiver und erst noch zum halben Preis. Das 23cm Band ist das Tor zum Mikrowellenbereich und erschliesst ein ganz neues Experimentierfeld. Auch punkto Antennen. Die 23cm Unit lässt sich übrigens leicht installieren, ohne zu löten. Man muss nur aufpassen, dass man den filigranen Flachstecker nicht vermurkst.

Da ich das Gerät schon mal offen hatte, habe ich auch gleich eine kleine Modifikation gemacht. Ich liebe es, neue Geräte zuerst mal ein bisschen zu verbasteln und mich so der Garantie zu entledigen. No Risk, no Fun :-)

Man muss ja nicht gleich ein Loch in die Frontplatte bohren.

Der IC-910 wird, wie andere Icom Transceiver auch, im Betrieb recht heiss. Sendet man mit voller Leistung in FM, kann man die Rückwand nur mit Handschuhen anfassen. Und abgesehen von Automotoren, bin ich der Meinung, dass kühles Klima das Leben der Technik verlängert. Hitze bedeutet Stress für die Elektronik.

Damit die Hitze in den Sendepausen aus dem Gerät entfliehen kann, sollte m.E. der Ventilator auch bei Empfang laufen. Nicht volle Pulle, aber leise säuseln. Das erreicht man dadurch, dass man eine Zenerdiode vom Plus der Stromversorgung auf die Plusleitung des Lüfter (rot) lötet. Die Kathode der Diode, das ist dort wo der Strich ist, muss zum Plus der Stromversorgung zeigen. Je nach gewünschtem “Säuseln” eignet sich ein Zener-Wert von 7.5 bis 8.5V (1Watt).

73 de Anton

Bild: von Peter, HB9CGQ. QRV auf dem Mt. Soleil im Jura, mit Cervelat und Windturbine.

Die Radial-Legende

Die GP (Ground Plane Antenna), erfreut sich bei den Funkamateuren immer noch grosser Beliebtheit. Damit ist ein senkrechter Viertelwellenstrahler gemeint, der mit resonanten Radials über der Erde betrieben wird. Sie wurde von Dr. Georg Brown, Chefingenieur bei der RCA, erfunden. Eingesetzt wurde sie zum ersten Mal bei den Feststationen der amerikanischen Polizei, die in den Dreissigerjahren im Bereich 30-45 MHz arbeitete.

Man sieht sie heute häufig mit vier oder mehr, manchmal aber auch nur mit drei Radials, die in einem Winkel von etwa 45 Grad nach unten zeigen.  Was den meisten OM’s unbekannt ist: ursprünglich wurde die GP mit nur zwei gegenüberliegenden Radials entwickelt.

Doch die von Brown und seinen Kollegen entwickelte “zweibeinige GP” fand bei den Kunden keinen Anklang. Diese konnten sich nicht vorstellen, dass mit nur zwei Radials eine Rundstrahlung möglich wäre. Und da der Kunde immer recht hat, fügten sie noch zwei Radials hinzu. Dass diese eigentlich nicht nötig sind, kann jeder heutzutage mit einem Anatennen-Analyse-Programm selbst nachprüfen. Die Verformung des Azimut-Richtdiagramms ist irrelevant. Wenn ihr also eine GP an der Grundstücksgrenze zu eurem Nachbarn aufstellen wollt, macht euch keine Sorgen. Ihr braucht keinen Radial in Nachbars Garten zu spannen ;-)

Trotzdem hält sich u.a. die Legende der Triple Leg Antenne. Man findet sie immer noch in Rothammels Antennenbuch. Ihr Entwickler, HB9OP, behauptete, wenn man die Anzahl der Radials von vier auf drei verringere, strahle die GP bevorzugt in Richtung der Winkelhalbierenden der Radials.

Und so lebt die Legende fröhlich weiter: im Rothammel besitzt eine “normale” GP immer noch vier Radials.

Ab und zu sieht man, dass diese im rechten Winkel zum Strahler stehen. Das tut dem SWR aber nicht besonders gut. Der Strahlungswiderstand beträgt in diesem Fall nämlich bloss 36 Ohm, und das gefällt dem 50 Ohm Koax nicht, hi. Biegt man die Radials jedoch um ca. 45 Grad nach unten, ist die Anpassung perfekt.

Und noch ein kleiner Trick: Berechnet man eine GP, wird sie in der Regel nicht genau auf der Wunschfrequenz  resonant sein. Man muss sie noch etwas “trimmen”, das heisst verkürzen oder verlängern. dabei reicht es aber durchaus, nur den Strahler zu verändern. Die Länge der Radials kann man unberührt lassen.

73 de Anton

NEC

Von Cami, HB9EXF, stammt das heutige Bild. Eine zirkular polarisierte Vierfachquad! Leider habe ich noch kein Schema und kann deshalb nicht sagen, wie sie funktioniert. Dass sie funktioniert und bei mir vertikal und horizontal gleich stark ankommt, habe ich aber bereits erfahren.

Doch Klarheit kann nur eine Analyse in einem der gängigen Antennen-Simulationsprogramme bringen. Obschon man ihnen nicht in jedem Fall trauen kann, haben sie am Schluss doch meistens Recht. Sofern der OM die richtigen Daten eingibt.  Welches Programm man benützt, spielt keine so grosse Rolle. Ob EZnec, 4nec2, MiniNEC oder MMana-GAL und wie sie alle heissen. Sie basieren alle auf dem Prinzip des Urprogramms NEC. Das ist die Abkürzung für Numerical Elecromagnetics Code und ist ein Verfahren, das in den 70er Jahren vom amerikanischen Militär entwickelt wurde. Damals noch in der Programmiersprache Fortran. NEC2 wurde dann 1981 geschrieben. NEC4 folgte 1991, ist aber nicht mehr frei verfügbar, sondern Eigentum der Universität von Kalifornien und des Lawrence Livermore National Laboratory. Benutzer benötigen also eine Lizenz.

73 de Anton

QROlle

QRP Bausätze und Transceiver gibt es viele. Doch zurzeit schauen alle wie gebannt auf den angekündigten KX-3 von Elecraft. Diese amerikanische Firma baut nicht nur ausgezeichnete Geräte, sie beherrscht auch das Marketing. Eine Erfolgs-Kombination-

Fischt man in den unendlichen Tiefen des Internets, so findet man aber noch andere Perlen. Nur hat noch kaum ein OM von ihnen gehört. Ingenieure sind eben in der Regel keine Marketingfachleute. Einen solchen Transceiver habe ich kürzlich vorgestellt, den Sienna von “The DZ Company”. Ein weiterer kommt aus Schweden. Und wie könnte es anders sein, hat er einen drolligen Namen: QROlle. Tönt zwar nach QRO, ist aber echt QRP: 10Watt in CW und SSB, von 160 bis 17m. Dabei ist der QROlle keineswegs olle: Er basiert auf einem Mikroprozessor und kann sowohl via RS-232 als auch über eine USB-Schnittstelle gesteuert werden. Die Schaltung ist jedoch klassisch. Es ist ein Einfachsuper mit einer ZF von 5 MHz und einem DDS als VFO. Der Stromverbrauch bei Empfang liegt bei 200mA. Ein entscheidender Wert bei der Beurteilung von QRP-Geräten. Trotz LiIo und LiPo Akkus sind Stromfresser im Feld nicht gefragt.

Interessant ist das “typische Schwedendesign” des Gerätes und der Aufbau mit SMD-Komponenten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Bausätzen muss hier der OM 0805 Komponenten selbst einlöten.

Die wenigen Knöpfe und Regler auf der Frontplatte lassen es schon erahnen. Das Gerät ist etwas für Menü-Freunde. Leider gehöre ich nicht dazu, auch im Restaurant bestelle ich meistens à la carte.

73 de Anton

Bild: Erinnerung an lange Wellen. Erstverbindung HB-EI auf 136 kHz.

Corner, Büchsen und Backfire

Wenn’s draussen stürmt und regnet, ist es dem OM in seinem Shack ganz wohl. Nur die Antenne muss im Wetter ausharren. Doch manchmal findet der OM auch ein geschütztes Plätzchen für sie. Unter den Dachbalken zum Beispiel. Oft aus Not, wegen Antennenverbot, aber manchmal auch, weil es bestechende Vorteile hat: Die Antenne ist bei jedem Wetter zugänglich und muss nicht gegen die Elemente geschützt werden. Anstatt Aluminiumgestänge kann man Karton und Alufolie verwenden, wie bei diesem Corner-Reflektor für das 23cm Band:

Natürlich hat das nicht nur Vorteile. Die Wellen werden durch das Dach gedämpft und sollte gar Alufolie als Dampfsperre auf der Dachisolation sein, ist alle Mühe umsonst. Je höher die Frequenz, desto grösser wird die Dämpfung durch das Dach. Bei Mikrowellen wird es kritisch. Trotzdem habe ich jetzt meine kleine “Elektrikerantenne” für 23cm FM durch eine 18 Element Indoor-Yagi ersetzt, die geradewegs in eine Mauer beamt:

Heute hatte ich damit eine 23cm FM Verbindung mit Ruedi, HB9BEN, auf dem Faulhorn. Simplex notabene und über eine Distanz von fast 70km. Dabei hatte Ruedi nur ein 1W Handy.

Natürlich würde es noch besser gehen, wenn ich die Antenne draussen montieren würde, doch “der Fahrstuhl nach oben ist besetzt.” ;-)

Sogar auf 13cm werden Indoor-Antennen eingesetzt. Zum Beispiel für die allgegenwärtigen WLANS auf 2.4 GHz. Oft in Form von Büchsenantennen. Die Idee, eine solche Antenne für 23cm zu bauen, habe ich übrigens wieder verworfen. Die Büchse wäre für dieses Band viel zu gross. So viel Ravioli kann ich einfach nicht verspeisen. Auch eine Short-Backfire habe ich aus meinem Programm gestrichen. Alle unsere Kuchenbleche sind zu klein – und ich möchte keinen Streit mit meiner Götterköchin. Ausserdem haben diese Antennenformen einen entscheidenden Nachteil: wie bereits bei der Corner-Reflektor liegt kaum mehr als 8 bis 12 dBi Gewinn drin. Darum bleibe ich für 23cm bei den bewährten Yagi-Antennen.

73 de Anton

Voll gegen den Strom

Du arbeitest schon im Büro am Computer und möchtest am Abend nicht auch noch mit dem Computer funken? SDR langweilen dich, Du möchtest einen Transceiver mit Knöpfen, den man nicht hoch- und runterfahren muss? Du hast einen Mausarm (Äquivalent zum Tennisarm) und willst kurbeln und nicht klicken? Du liebst den Geruch beim Löten und kennst die Bedeutung aller farbigen Ringe auswendig? Dann habe ich etwas ganz Besonders für Dich! Den ultimativen Nostalgie-Bausatz, besser als der K2, den Du schon zusammengebaut hast und besser als all die vielen “QRP-Kinderbausätze”. Das Gerät heisst Sienna und hat bei Eham die Bestnote. Noch nie gehört? Hier ist es.

Analoge Meter, eine wunderschöne Frontplatte, in drei Farben erhältlich, Knöpfe und Schalter anstatt Menüs und Submenüs. Eine Anleitung und ein Techniksupport wie damals bei Heathkit.

Doch was soll der Computerschirm auf dem Ding ohne Frontplatte? Das ist die Version für die Bildschirmgläubigen. Doch keine Sorge: einen Computer braucht es dazu nicht. Der ist im Sienna bereits eingebaut. Für alle Fälle.

Also doch ein SDR, oder zumindest ein DSP-Transceiver? Weit gefehlt! Der Sienna ist rein analog. Quarzfilter sorgen anstelle von DSP-Filtern für die Selektion. Digitalisiert wird nichts. Und er ist mit dem Besten vom Besten bestückt.

Und damit ganz klare Verhältnisse herrschen: Für Sender und Empfänger gibt es, abgesehen von der Frequenzaufbereitung, keine gemeinsam genutzten Schaltungen. Beide sind fein säuberlich getrennt, wie in der Moschee :-)

Du meinst, dass sei ein Traum, nicht zu bezahlen und nicht lieferbar? Brian Wood, der Mann hinter “The DZ-Company” tüftelte jahrelang an diesem Projekt mit der Idee, Heathkit nachzueifern. Er ist ein “Besessener” und nichts konnte ihn von seinem Ziel abbringen. Natürlich hat der Bausatz seinen Preis: Für die Komplettversion muss man mit etwa 4000$ rechnen.

BTW. Ich habe im letzten QST seine Annonce entdeckt. Von Hilberling, einem anderen Nostalgietransceiver, habe ich leider nichts gefunden. Auch keine Review bei Eham.

Hier noch der umfangreiche Bericht von KB0ASQ, der das Gerät gebaut hat.

73 de Anton

Bild: Der Chauffeur wartet. Rønne, Bornholm.