Neue Perle?

Automatische Tuner gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Viele jedoch nur für den Stationstisch. Der beste Ort für einen Antennentuner ist jedoch der Speisepunkt der Antenne. Nur dort kann er für eine gute Anpassung der Antennenimpedanz an die Speiseleitung sorgen. Diese sogenannten Remote-Tuner gab es, wenn mehr als 100 bis 200W gefragt waren, bisher nur von SGC, CG und ein paar Herstellern von kommerziellen Funkgeräten.  Jetzt hat auch MFJ nachgezogen: mit dem MFJ-998RT ist nun ein Remote-Tuner verfügbar, der bis zu 1.5 kW verträgt, die in den USA maximal zugelassene Leistung. Allerdings ist der Anpassbereich von 12 bis 1600 Ohm nicht gerade berauschend. Die angegebenen Maximalwerte für die Induktivität und die Kapazitäten, lassen darauf schliessen, dass er mit kurzen Antennen auf 160m seine liebe Mühe haben wird. Andererseits wartet das Teil mit Features auf, die bisher bei Remote-Tunern unbekannt waren. Zum Beispiel einem eingebauten Frequenzzähler, einer “Audio-SWR-Anzeige” und einer eingebauten LCD-Anzeige für alle wichtigen Parameter, inklusive L und C! Damit wird die Fehlersuche wesentlich einfacher, wenn mal die Antenne nicht so will, wie OM das wünscht. Der Tuner stimmt schon mit 5Watt ab und ist mit 20’000 nicht volatilen Memories ausgestattet. Das Ziel-SWR des Tuners lässt sich von 1.0 bis 2.0 einstellen, ebenfalls die Abstimmschwelle. Das Teil wiegt 4.3 kg und ist recht gross: 350 × 159 × 457 mm. Die verwendeten Relais schalten 16 Ampère und halten 1000 Volt aus. Es scheint also, dass der Tuner ziemlich robust gebaut ist. Bleibt zu hoffen, dass die Qualitätskontrolle bei diesem Produkt besser ist, als in der Vergangenheit bei anderen MFJ Geräten.

73 de Anton

PS. Danke, Pascal, für den Hinweis

Bild: Der Sender “vor meiner Haustür”

Der Icom IC-7410

Heute ist die neuste QST bei mir in den Postkasten geflattert. Die Oktober Ausgabe. QST ist die Zeitschrift der amerikanischen ARRL. Meines Erachtens eine der besten Amateurfunk-Publikationen. Neben vielen interessanten Artikeln über Antennen und Expeditionen enthält die Oktober-Ausgabe auch einen Testbericht des IC-7410.  Hier ein paar Highlights aus diesem Test:

Der Autor, Rick Lindquist, WW3DE, hat ihn mit seinem IC-756ProIII verglichen. Und da erstaunt es nicht, dass ihm als erstes auffiel, dass das Gerät nicht zuerst 10 Sekunden lang booten muss, sondern sofort startet. In der Tat, war der ProIII der letzte der Reihe, der diese Eigenschaft aufwies. In der Zwischenzeit hat sich bei der digitalen Signalverarbeitung einiges getan. Und so musste Rick feststellen, dass der IC-7410, obschon im tieferen Segment angesiedelt, den ProIII punkto Grosssignalverhalten übertraf. Auch andere DSP Funktionen sind gemäss Testbericht besser: Zum Beispiel die Noise Reduction (NR). Und tatsächlich: Vergleicht man die Messresultate mit dem früheren Test des IC-7600, so muss man feststellen, dass der IC-7410 mindestens ebenso gut oder besser ist und in einigen Punkten sogar zu Icoms Spitzentransceiver IC-7800 aufschliessen kann. Kein Wunder, kommt der Tester zum Schluss, dass der neue Transceiver zwar nicht der beste, aber sehr gut sei.

Schon beim IC-7200 konnte ich feststellen, dass die DSP Fortschritte gemacht hatte. Im praktischen Betrieb konnte ich keine grossen Unterschiede gegenüber meinem älteren und dreimal so teuren ProIII feststellen. Einzig bei der AGC. Die Anstiegszeit ist viel zu kurz und bei jedem leichten Knacken spricht die AGC sofort an und regelt den Empfänger zu. Besonders störend ist das auf 160, 80 und 40m, wo ich deswegen den NB dauernd eingeschaltet lasse. Genau das bemängelt der Tester beim IC-7410 auch. Die AGC ist offenbar bei der DSP noch eine Problemzone.

Aber an einer anderen Front gibt es dafür Entwarnung: Der IC-7410 ist zwar etwas schmaler, dafür wesentlich länger als der ProIII oder sein Nachfolger IC-7600, und das hat seinen guten Grund. Der Kühlung des Transceivers wurde offenbar grosse Aufmerksamkeit zu Teil. Sein direkter Vorgänger, der IC-7400 (IC-746Pro in den USA) hatte nämlich ein Wärmeproblem und war “berühmt” für entsprechende Ausfälle. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass Icom der Wärmeabfuhr seiner Transceiver früher wenig Beachtung geschenkt hat. Mein ProIII wird sehr heiss und auf meinem IC-910 kann ich bei FM-Betrieb mit voller Leistung Spiegeleier braten.

Übermässige Hitze verkürzt das Leben der Elektronik, auch wenn das einige abstreiten. Zum Beispiel Adam Farson, AB4OJ, der diesbezügliche Diskussionen in seinen Yahoo-Groups immer wieder abklemmt. Doch schauen wir weiter, was Rick Lindquist in der QST über den IC-7410 berichtet:

Er findet das Menu nicht gerade intuitiv. Whatever that means, hi. Doch das ist keine Katastrophe. Denn auf der Frontplatte findet man Regler für alle oft verwendeten Funktionen und so kann man, einmal eingestellt, dasMenü Menü bleiben lassen. Wo man bei anderen Geräten immer wieder ins Menü abtauchen muss – zum Beispiel um die Sendeleistung zu verstellen – hat der 7410er einen Regler. Auch ich finde die Bedienungsergonomie des Icoms hervorragend.

Rick meint in seinem Bericht, die Knöpfe seien überraschend gross und handlich und ihm liege z.B. der Abstimmknopf besser in der Hand als der seines älteren ProIII. Ich denke, dass dies ein wichtiger Punkt ist, denn damit muss der Operateur schließlich arbeiten. Was nützen gute elektrische Daten, wenn ich mich täglich über die umständliche Bedienung aufrege?

Doch wo hat Icom gespart? Das Gerät ist ja preislich weit unter dem IC-7600 angesiedelt.

Natürlich beim Display und bei der Spektrumanzeige. Das Gerät verfügt nur über einen rudimentären Frequenzscanner, bei dem der Empfänger stumm geschaltet wird. Immerhin lassen sich auf dem Display aber SWR-Kurven der verwendeten Antenne aufzeichnen. Ein tolles Feature. Gespart wurde auch bei den Leuchtdioden. Alle Anzeigen erfolgen auf dem Display und Rick meint, dass sich so ein eingeschalteter RIT leicht übersehen lasse.

Und natürlich wurde bei den Bändern gespart, was einem bei der Betrachtung der Rückseite auffällt: Abdeckungen sitzen dort, wo bei der Vollversion des Transceivers Buchsen für die Bänder 2m, 70cm und 23cm sind. In diesem Zusammenhang muss man auch wissen, dass der Vorgänger, der IC-7400, noch das 2m Band beinhaltet hat. Da hat ganz klar ein Downgrade stattgefunden.

Positiv aufgefallen ist beim IC-7410 die Empfindlichkeit auf der Lang- und Mittelwelle. Sowohl auf dem 136kHz, wie auch auf dem 500 kHz Band ist das Teil genügend empfindlich um ihn als vollwertigen Empfänger einzusetzen. Zum Beispiel zusammen mit einem selbst gebauten 136 kHz Sender.

Zu berichten gäbe es noch gar manch interessantes Feature. Der IC-7410 hat von seinen Vorgängern offenbar das Beste übernommen und Rick kommt zum Schluss, dass das Gerät zwar preislich im unteren Teil des Marktsegments angesiedelt wurde, doch leistungsmässig im oberen Drittel. Wer sich also mit KW+6m und Abstrichen beim Display zufrieden geben kann, für den ist der 7410er sicher eine ausgezeichnete Wahl.

73 de Anton

PS. Das Gerät hat kräftig Durst: Bei Empfang säuft das Teil bereits 3A, beim Senden 23A. Ein Upgrade beim Stationsnetzteil ist u.U. ins Auge zu fassen.

Bild: öfter mal eine neue Antenne. Eine einfache Halterung neben dem Dachfenster macht’s möglich. Hier eine HB9CV für 50 MHz. Rechts davon eine Mobilantenne für 2m und 70cm.

 

Le UNUN de Willisau – The Willisau UNUN – Der Willisau UNUN

Heute möchte ich euch einen 1:9 UNUN vorstellen, der ohne teure Amidon Ringkerne auskommt. Mehr noch: Dieser UNUN entspricht dem grünen Trend, er ist kompostierbar und in Kaffee getunkt sogar essbar. Doch bevor man ihn isst, sollte man damit funken. Seine Leistung ist vergleichbar mit der von anderen UNUNS wie sie im Internet herum geistern. Einfach einen Draht beliebiger Länge dranhängen und ab geht die Post. Doch kommen wir zur Bauanleitung:

Am anderen Ende des Emmentals – von mir aus gesehen – liegt ein Städtchen mit dem Namen Willisau. Ich kenne es von meiner Militärdienstzeit und muss sagen, es hat nichts Aussergewöhnliches zu bieten. Mit einer Ausnahme: Einem Gebäck, an dem man sich die Zähne ausbeissen kann. Dem sogenannten Willisauer Ringli:

Wie ihr sehen könnt, hat das Willisauer Ringli ein klassisches Ringkern-Design. Im Gegensatz zu einem Donut oder Bagel ist aber das Wllisauer Ringli pickelhart. Es lässt sich deshalb gut bewickeln und ist unbegrenzt haltbar, sofern man es vor Feuchtigkeit schützt. Ausserdem verträgt es grosse HF-Leistungen ohne seine Permeabilität wesentlich zu verändern. Eine leichte Schwarzfärbung im Betrieb ist normal.

Bewickelt wird das Willisauer Ringli wie ein normaler 1:9 UNUN. Es empfiehlt sich, vorgängig mit einer Schere das Loch auszudrehen und zu vergrössern, da die Bäcker oft nicht so präzise arbeiten. Dann passen 12 trifilare Windungen spielend auf den Kern:

Wickeln sollte man ohne Hunger aber mit Gefühl. Der kompostierbare und essbare Ringkern ist zerbrechlich.

Zum Ausmessen habe ich den UNUN Antennenseitig mit einem 470 Ohm Widerstand abgeschlossen. Es ergab sich folgendes Bild: Unterhalb des 20m Bandes steigt das SWR über 1:2. Trotzdem sollte der Willisau-UNUN noch auf dem 30 und 40m Band passabel funktionieren.

Ich würde mich über eure Erfahrungsberichte freuen!

73 de Anton

PS. Für Leistungen über 100W empfiehlt es sich, zwei oder drei Kerne aufeinander zu stapeln. Durch ausgiebiges Befeuchten mit der Zunge können die Kerne aufeinander geklebt werden.

Nur morsen ist schöner

Im Sprechfunk können gravierende Missverständnisse entstehen, wie nachfolgendes Video zeigt. Der Kapitän der USS Montana hält darin einen Leuchtturm für ein Schiff! Aber auch bei der ägyptischen Küstenwache führen Sprachschwierigkeiten zu Problemen :-)

Leider wird heute in der Schiffahrt nicht mehr telegrafiert. Wie die Arbeit eines Funkers früher aussah, zeigt folgender Film. Und diesmal ist es kein Scherz. Versucht mal die Morsesignale mitzulesen! Wärt ihr fit für diesen Job? Diese Kids wären es vermutlich!

Da ich schon bei Film-Clips bin und einige meiner Funkfreunde gerne kochen, noch eine kleine Zugabe. Hier fritiert ein Fernsehkoch Gniocci.

73 de Anton

Bild: L-Tuner mit Toroid anstelle einer Rollspule. Die Ringspule, auf drei gestapelte gelbe Amidon gelötet, ist direkt auf einen (kurzschliessenden) Drehschalter gelötet. Über den zweiten Drehschalter lässt sich bei Bedarf das L-Glied umschalten (für zu kurze Antennen muss der Drehko auf der Senderseite sein, für zu lange auf der Antennenseite). Ausserdem kann bei Bedarf ein Festkondensator zum Drehko zugeschaltet werden, oder/und eine Fixspule in Serie zur Ringspule. Dieser Tuner wurde für die Anpassung beliebiger Drähte auf den langen Kurzwellenbändern gebaut.

Beacon Spotting

Nein, dabei geht es nicht darum, über Baken zu spotten. Wieso auch? Funkbaken gehören zu den nützlichsten Einrichtungen im Amateurfunk. Sie erlauben es den Funkern die Ausbreitung zu beobachten und helfen dem einsamen Bastler auf den Mikrowellenbändern sich zurecht zu finden. Beim Beacon Spotting geht es darum, Baken zu beobachten und zu melden. Ist das Netz der Spotter dicht gewoben, ergibt sich daraus ein gutes Bild der herrschenden Ausbreitungsbedingungen. Überreichweiten auf den höheren Bändern vergehen so nicht ungenutzt. Ein solches Netz findet man hier für Baken von 50 MHz bis in den Mikrowellenbereich.  Interessant ist die Darstellung der Baken – die sonst üblicherweise nur auf Listen zu finden sind – auf einer Europakarte. Man kann auf ein bestimmtes Gebiet zoomen und beim Anklicken der Baken erhält man Informationen über Frequenz, Leistung, genauen Standort, Betreiber und Status. Beacon Spotting ist auch für SWL’s eine interessante und nützliche Aufgabe.

73 de Anton

Bild: Monte Lema, Tessin

Bevorzugt das BAKOM eine kleine Gruppe von Funkamateuren?

Zitate aus einem Segler-Forum:

“Zum Glück operiert der Maritime Mobile Amateurfunkverkehr zum großen Teil aus internationalen Gewässern und ist deshalb von den rückständigen Gesetzen der Telekom/Postzone nicht betroffen. Maritime Mobile-Stationen mit DL Rufzeichen dürfen also ganz legal WinLink© E-Mail senden und empfangen, wenn sie mit einem MBO außerhalb der BRD in Verbindung sind.”

“Jedem, dem die Deutsche Lizenz zu schwer oder zu aufwendig ist sei gesagt, daß man auch als nicht US-Bürger außerhalb der Vereinigten Staaten eine gültige US-Lizenz erwerben kann.”

Und an anderer Stelle auf einer Seglerseite:

Da die Installation einer Amateurfunkanlage nicht ganz einfach und das Thema für viele ein Buch mit sieben Siegeln ist, haben wir die Informationen recht umfangreich dargestellt. Uns ging es vor der Abfahrt übrigens genauso und deshalb haben wir die Zusammenstellung der Komponenten und die Installation von einem Fachmann durchführen lassen.

Winlink und Winmor sind Pactor-Betriebsarten, die Email übers Internet ermöglichen. Der Zugang erfolgt über unbediente Stationen im Kurzwellenbereich auf der ganzen Welt

Für DX-Expeditionen ist heute ein Internet-Zugang de facto Standard. Damit verfügen die Teilnehmer u.a. über aktuelle Ausbreitungsprognosen und können ihr Logbuch online stellen. Dagegen ist meines Erachtens nichts einzuwenden. Der Internet-Zugriff hat ja ausschliesslich mit Amateurfunk zu tun.

Anders sieht es bei den Besitzern von Hochseeyachten aus. Hier ist der Amateurfunk und damit der Internet-Zugang über Kurzwelle eine günstige Alternative zu den kommerziellen Diensten.

Dass die Segler nur reine Amateurfunkinfos austauschen und kurze Grüsse an ihre Freunde mailen, glauben nur OM’s, die auch glauben, Zitronenfalter würden Zitronen falten und Volksvertreter würden das Volk vertreten. Ich vermute, viele Yachtbesitzer machen nur eine Amateurfunkprüfung um gratis funken und mailen zu können.

Doch was sagt unsere Behörde, das BAKOM, dazu. Gemäss Artikel 33 FKV ist der Fall klar:

 Wer eine Amateurfunkkonzession besitzt, darf die Funkanlage nur benützen zur Übertragung technischer Informationen über Sende- und Empfangsversuche sowie für persönliche Mitteilungen und Mitteilungen in Notfällen.

Nicht zulässig sind insbesondere:

b) die Übertragung von Informationen die von Dritten stammen oder für Dritte bestimmt sind, sofern nicht alle Beteiligten Funkamateure sind.

Das ist eindeutig. Doch liest man in den Vorschriften zum Amateurfunkdienst weiter, so stösst man auf folgenden Passus:

 2.5 Verbindungen mit dem Internet über Amateurfunkstationen

Bewilligungen für das Errichten von Amateurfunkanlagen, die einen Zugang ins Internet ermöglichen, werden nur Amateurfunkvereinen erteilt.

Der Abruf von öffentlich zugänglichen Informationen aus dem Internet und die Übermittlung und der Empfang von persönlichen, nicht kommerziellen E-Mails, SMS oder FAX sind zulässig. Nicht zulässig hingegen sind rechtsgeschäftliche Mitteilungen sowie die Vermittlung von Informationen von Dritten an Dritte. Die Station darf nicht für kommerzielle Zwecke benutzt werden. Die Funkamateure, welche die Station benutzen, sind für das Einhalten der Vorschriften verantwortlich.

Ja was jetzt? Darf ich die Börsenkurse abrufen und online Zeitung lesen? Plötzlich sind Informationen an Dritte und von Dritten zulässig? Nur noch Meldungen von Dritten an Dritte ist verboten, also das blosse Übermitteln. Das „oder“ wurde fallen gelassen. Ich denke nicht, dass das ein Fehler im Wording ist, im BAKOM wimmelt es nur so von Juristen.

Der kleinen Gruppe von Funkamateuren, die Winlink und Winmore nützen – geschätzt <2% – gesteht das BAKOM also Sonderrechte zu? Was hat das mit Amateurfunk zu tun, wenn ich meine Börsenkurse auf 14 MHz bekomme und der Grossmutter einen Brief schreibe? Oder wenn ich auf dem Campingplatz über Winlink maile, um Handy-Kosten zu sparen?

Wieso werden Hunderte von Frequenzen auf den engen Kurzwellenbändern mit automatischen Stationen zugepflastert, die keine Rücksicht auf laufende QSOs nehmen und einfach losrattern? Wieso wird eine Betriebsart erlaubt, bei der man ein teures patentiertes Modem einer einzigen Firma kaufen muss? Wieso wird die Konkurrenzierung kommerzieller Land- und Seefunkdienste zugelassen.

Da muss man doch unweigerlich zum Schluss kommen, dass da eine starke Lobby gewirkt hat, um die Fernmeldebehörden zu überzeugen, die Regeln aufzuweichen und einer Gruppe von Funkamateuren Sonderrechte zuzugestehen.

Wie dem auch sei, die USKA kann’s auf jeden Fall nicht gewesen sein. Ihre Lobbykompetenz ist m.E. recht kümmerlich, sonst wären wir Schweizer kaum das Schlusslicht bei der Erlaubnis auf neuen Frequenzen zu experimentieren (9kHz, 500kHz, 5MHz, 70MHz, 3GHz usw.)

73 de Anton

PS. Ich bin selbst Segler und Amateurfunk vom Boot aus ist wunderbar. Solange nicht plötzlich eine automatische Station das CW QSO stört.

5 MHz

Immer mehr Länder gewähren ihren Funkamateuren Zugang zu Frequenzen im Bereich um 5 MHz. Wie im 5MHz-Newsletter Nummer 1 von G4MWO zu lesen ist, erwarten auch die kanadischen Funkamateure eine Freigabe diesen Herbst. Die Regulierungsbehörden haben bereits Wohlwollen signalisiert. In manchen Ländern werden nur einzelne Frequenzen (Kanäle) zugeteilt, wie neuerdings in Bahrein (5373 und 5405 kHz), in anderen Ländern kann ein ganzes Frequenzband benutzt werden. Die Norweger gehören zu diesen Glücklichen. Sie dürfen im Bereich 5260 – 5410 kHz funken.

Das 5 MHz Band eignet sich sehr gut für kurze bis mittlere Distanzen und könnte auch in der Schweiz eine Lücke füllen, wenn die Tagesdämpfung auf 80m zu hoch ist und 40m wegen einer toten Zone für kurze Distanzen (NVIS, Near Vertical Incidence Skywave) ) ausfällt. Das könnte insbesondere im Notfunk eine wichtige Rolle spielen. 5MHz schafft praktisch jeder Transceiver mit einem kleinen Eingriff zur Frequenzerweiterung und die vorhandenen Antennen können mit einem Antennentuner angepasst werden. Im Gegensatz zum 500 kHz Band, das für den Funkamateur eine grössere Herausforderung darstellt. Trotzdem wäre es unvernünftig, bei der Diskussion um zusätzliche Frequenzen die beiden Bänder gegeneinander auszuspielen. 500 kHz ladet zum Experimentieren ein und entspricht der Natur des Amateurfunkdienstes als Experimentalfunk, 5 MHZ ist praktischer, entlastet das 80m Band und ist für den Notfunk wichtig.

73 de Anton

Bild: Monte Generoso im Tessin, 1701m, Baken- und Relaisstandort

Super-Sonnensturm bedroht die Zivilisation

Der bisher stärkste Sonnensturm in der Neuzeit ereignete sich 1859, Ende August – Anfang September. Er ist auch bekannt unter dem Namen Carrington Event. Richard Carrington, ein englischer Astronom,  beobachtete damals den Ausbruch und berichtete über das Ereignis. Der Magnetsturm war so stark, dass die Telegrafenverbindungen zusammenbrachen, an den Isolatoren der Leitungen Funken sprühten und das Papier in den Morseschreibern in Brand geriet. Nordlichter konnten rund um den Globus beobachtet werden, unter anderem in der Karibik. Die Nordlichter waren zum Teil so hell, dass die Menschen Zeitung lesen konnten und glaubten, der Morgen sei schon angebrochen.

Die Zeitschrift New Scientist beschreibt nun in einem Artikel, was passieren würde, wenn  heutzutage ein solch starker Sturm die Erde treffen würde.

Innerhalb neunzig Sekunden würde die Stromversorgung zusammenbrechen, die meisten Satelliten  würden unwiderruflich zerstört, das Internet und Telefonnetz würden zusammenbrechen. Die Folgen für die Wirtschaft wären katastrophal und wir würden innert Minuten ins 19. Jahrhundert zurück versetzt. Fernseher, Handy, GPS und Internet tot, der Bankomat ebenso wie das Netz für die EC-Kartenleser. Fabriken und Verwaltungen stünden still. Höchstens noch Kleinbetriebe wie Schmieden könnten arbeiten. Der Eisenbahnverkehr würde still stehen, Flugzeuge könnten nicht mehr fliegen und die Autos müssten sich ohne Ampeln durch die Stadt schlagen. Die Polizei und Feuerwehr wären ohne Funknetze. Schliesslich würde die Lebensmittelversorgung nicht mehr funktionieren. Vermutlich würden aufgrund des ausbrechenden Chaos viele Menschen sterben.

Nur wir Funkamateure könnten noch funken, natürlich mit Batterien und wenn wir vorgesorgt und Antenne und Netzstecker rechtzeitig abgezogen hätten.

Doch das Schlimmste kommt noch: der New Scientist, dessen Artikel auf einem NASA Report beruht, rechnet mit einer Erholungszeit von 10 Jahren! Nicht zuletzt aufgrund eines Mangels an Ersatzteilen.

Ich denke nicht, dass unsere Notfunknetze (TETRA, Polycom) einen erneuten Carrington Event überstehen würden. Je komplexer die Netze, je komplizierter die Apparaturen, desto eher fallen sie aus. Und wir Funkamateure sollten uns überlegen, wie lange und wie wir in einer solchen Situation Notfunkverkehr aufrecht erhalten könnten. Wie weiter, wenn die Batterien leer sind und das Benzin für die Aggregate verbraucht ist?

Rechne mit dem Schlimmsten und hoffe das Beste :-) 73 de Anton

Bild: Der alte Biennophone würde zwar noch laufen, vorausgesetzt er hätte noch Strom und irgendwo gäbe es noch einen funktionierenden Mittelwellensender.

Ein dicker Hund

Antennen für WLAN’s auf 2.4 GHz gibt es zuhauf. Wer mit einer selbst gebauten Büchsenantenne nicht zufrieden ist, der bekommt auf Ebay für eine Handvoll Dollar einen tollen Richtstrahler und jede Menge Gewinnversprechen. Im wesentlichen werden zwei Typen angepriesen: Parabolischer Gitterreflektoren und Yagis. Was bei den Yagiantennen aus China auffällt, ist der grosse Elementdurchmesser im Verhältnis zur Länge der Elemente. Sie sind quasi das Gegenteil zu den dünnen Edelstahlstäbchen der Flexa-Yagis. Doch wieso? Wegen der hohen Frequenzen? Und was ist besser: dünn oder dick?

Wie so oft lautet die Antwort: “Das kommt darauf an?”

Flexa-Yagis sind mit ihren dünnen Elementen unauffällig, leicht und bieten wenig Windlast. Doch dünn hat auch Nachteile: Wegen des Skineffekts fliessen die HF-Ströme nur auf der Oberfläche. Im Mikrowellenbereich bei 2.4 GHz beträgt die Eindringtiefe noch etwa einen Mikrometer. Und da in den Direktoren und Reflektoren einer Yagi auch (induzierte) Ströme fliessen, bedeutet das bei dünneren Elementen höhere Verluste. Zudem sind die “dünnen” Yagis viel anfälliger gegen den Feuchtigkeitsfilm bei regnerischem Wetter. Einige schmalbandige Yagis werden sogar so stark verstimmt, dass sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Den Dickhäutern macht Regen viel weniger aus. Ausserdem sind sie breitbandiger und erlauben höhere Fertigungstoleranzen.

Diese letzten beide Punkte dürften die Gründe dafür sein, dass die Chinesen-Yagis so dicke Elemente besitzen.

Wie dem auch sei, ich habe vergangene Woche einen “Dickhäuter” für das 23cm gebaut. Eine kurze Yagi von einem Meter Länge, berechnet mit dem Programm von VK5DJ  nach DL6WU. Genaue Gewinnmessungen kann ich zwar nicht machen. Aber im Vergleich zu meinen anderen (unter anderen gekauften) Yagis schlug sie sich gut. Im folgenden Bild ist die Einspeisung zu sehen mit einer Umwegleitung aus UT-141 zur Impedanzanpassung.

73 de Anton

Bild: seltsame Gestalten bewegen sich im Haus Schloss des Operateurs

OAM, die Antennenpolarisation von Raumschiff Enterprise?

Orbital Angular Momentum, OAM,  heisst eine neue Polarisationsart, die zuerst im Bereich des Lichts entdeckt wurde und mit der jetzt auch Funkversuche gemacht werden. Sie ermöglicht angeblich eine Mehrfachnutzung der gleichen Frequenz. Bis zu 100 Sender könnten die gleiche Frequenz benutzen, ohne einander zu stören, glauben Forscher, die sich mit OAM befassen.

Bisher kannte man die lineare Polarisation (horizontal, vertikal) und die zirkulare Polarisation (links oder rechtsdrehend). Bei OAM jedoch, drehen sich die Funkwellen wie in einem Tornado, stark vereinfacht ausgedrückt. Wird die Winkelgeschwindigkeit des Vortex beim Empfang berücksichtigt, können damit angeblich Signale getrennt werden, die auf der gleichen Frequenz senden.

Erzeugt wird OAM, indem die Antenne während der Sendung in Umdrehung versetzt wird. Was vernünftigerweise elektronisch geschieht.

Ja, ich weiss, das tönt alles ein wenig wie Raumschiff Enterprise. Und wenn man die Bilder sieht, die anlässlich eines Versuchs gemacht wurden, der ein italienischer Professor in Venedig durchgeführt hat, wird dieser Eindruck noch verstärkt. Andererseits stösst man auf Seiten wie diese, die einen seriösen Eindruck machen. Ausserdem sind wir noch weit vom 1. April entfernt.

Hier ist ein Blog, das sich intensiv mit OAM befasst.

Vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, an dem uns nach EH, Roomcap und Ofenrohrantenne eine neue Wunderantenne präsentiert wird, ein OAM-Beam :-)

73 de Anton

Bild: Niederhorn im Berner Oberland. Der Berg im Hintergrund ist der Niesen. Beides sind Relais-Standorte.