Voll gegen den Strom

Du arbeitest schon im Büro am Computer und möchtest am Abend nicht auch noch mit dem Computer funken? SDR langweilen dich, Du möchtest einen Transceiver mit Knöpfen, den man nicht hoch- und runterfahren muss? Du hast einen Mausarm (Äquivalent zum Tennisarm) und willst kurbeln und nicht klicken? Du liebst den Geruch beim Löten und kennst die Bedeutung aller farbigen Ringe auswendig? Dann habe ich etwas ganz Besonders für Dich! Den ultimativen Nostalgie-Bausatz, besser als der K2, den Du schon zusammengebaut hast und besser als all die vielen “QRP-Kinderbausätze”. Das Gerät heisst Sienna und hat bei Eham die Bestnote. Noch nie gehört? Hier ist es.

Analoge Meter, eine wunderschöne Frontplatte, in drei Farben erhältlich, Knöpfe und Schalter anstatt Menüs und Submenüs. Eine Anleitung und ein Techniksupport wie damals bei Heathkit.

Doch was soll der Computerschirm auf dem Ding ohne Frontplatte? Das ist die Version für die Bildschirmgläubigen. Doch keine Sorge: einen Computer braucht es dazu nicht. Der ist im Sienna bereits eingebaut. Für alle Fälle.

Also doch ein SDR, oder zumindest ein DSP-Transceiver? Weit gefehlt! Der Sienna ist rein analog. Quarzfilter sorgen anstelle von DSP-Filtern für die Selektion. Digitalisiert wird nichts. Und er ist mit dem Besten vom Besten bestückt.

Und damit ganz klare Verhältnisse herrschen: Für Sender und Empfänger gibt es, abgesehen von der Frequenzaufbereitung, keine gemeinsam genutzten Schaltungen. Beide sind fein säuberlich getrennt, wie in der Moschee :-)

Du meinst, dass sei ein Traum, nicht zu bezahlen und nicht lieferbar? Brian Wood, der Mann hinter “The DZ-Company” tüftelte jahrelang an diesem Projekt mit der Idee, Heathkit nachzueifern. Er ist ein “Besessener” und nichts konnte ihn von seinem Ziel abbringen. Natürlich hat der Bausatz seinen Preis: Für die Komplettversion muss man mit etwa 4000$ rechnen.

BTW. Ich habe im letzten QST seine Annonce entdeckt. Von Hilberling, einem anderen Nostalgietransceiver, habe ich leider nichts gefunden. Auch keine Review bei Eham.

Hier noch der umfangreiche Bericht von KB0ASQ, der das Gerät gebaut hat.

73 de Anton

Bild: Der Chauffeur wartet. Rønne, Bornholm.

Die Elektrikerantenne

Nachdem ich den Operateur nochmals durchgecheckt habe (siehe Bild) hat es nun auch mit dem 23cm Relais auf der Sphinx geklappt. Als Relaisunkundiger hatte ich nämlich glatt übersehen, dass der Shift auf 23cm positiv ist. Das heisst, man hört unten und sendet oben. Im Falle der Sphinx hört man also auf 1258.900 MHz und sendet auf 1293.900 MHz. Rasch habe ich dann noch eine sogenannte Elektrikerantenne gebaut und im Shack montiert. Sie besteht aus simplem Kupferdraht und wurde im Rothammel abgekupfert:

Obschon die Wellen noch durch zwei Mauern plus ein Dach hindurch müssen, konnte ich das Relais noch mit 200 mW öffnen. Also nix von Fresnelzone kaputt und so. Und das über eine Distanz von 73.2 km!

Ich habe den Eindruck, dass es auf 23cm fast besser geht, als auf 2m. Doch das hat mit meinem Standort zu tun und darf nicht verallgemeinert werden.

73 de Anton

Helixantennen für Kurzwelle

Kurze Antennen müssen mit einer Spule verlängert werden. Je kürzer die Antenne in Bezug zur Viertelwelle, desto grösser muss die Induktivität der Spule sein. Diese wird auch grösser, wenn man die Spule vom Fusspunkt weg nach oben verschiebt. Trotzdem hat eine Spule, z.B. in der Mitte der Antenne Vorteile. Bis zur Spule fliesst ein grosser Antennenstrom und man weiss ja: Strom strahlt! Doch was ist, wenn man die ganze Antenne zur Spule macht?

Eine solche Helix- oder Helicalantenne macht zuerst einmal nichts als Ärger. Man kann sie nämlich nur schlecht berechnen. Trial und Error ist angesagt. Und am Schluss kriegt man vom vielen Wickeln und Abwickeln den Krampf in den Fingern.

Wer es trotzdem versuchen möchte, hier ein Kochrezept. Helical3 heisst das Programm, das uns in die Nähe der gewünschten Resonanz führen möchte. Probieren wir es doch mal aus. Wir kaufen uns einen Bambusstab in der Landi. 3m lang und 2cm dick. Und wir möchten daraus eine Helixantenne für das 40m bauen. Sagen wir für 7.1 MHz. Wir geben für den Pitch 1 ein und als Erdwiderstand 20 Ohm. Unser Gegengewicht auf dem Balkon dürfte ja nicht gerade das Gelbe vom Ei sein. Wir erhalten dann – oh Schreck – 38m Draht, die es aufzuwickeln gilt. Fast eine ganze Wellenlänge. Die 3dB-Bandbreite der Antenne beträgt ganze 210 kHz. Das ist ein schlechtes Zeichen. Breitbandigkeit bei kurzen Antennen bedeutet hohe Verluste. Das erstaunt uns nicht, denn der Strahlungswiderstand beträgt knappe 3 Ohm und wir haben ja einen Verlustwiderstand von 20 Ohm eingegeben. Wir erinnern uns: Der Wirkungsgrad einer Antenne berechnet sich aus Rs/Rs+Rv.

Der Drahtwiderstand fällt dagegen nicht so sehr ins Gewicht. Das Programm schlägt uns ja vor, 4.7mm dicken Draht zu verwendet. Daran sind wir natürlich selbst schuld, haben wir doch 1 als Pitch eingegeben :-) Das Programm gibt uns damit einen Wirkungsgrad von 11% an. 100W rein, 11W raus, der Rest ist für die Regenwürmer.

Aber wir werden bei den heutigen Kupferpreisen vermutlich einen dünneren Draht verwenden und so wird auch der Drahtwiderstand das seine zu den Verlusten beitragen.

Und natürlich werden wir noch etwas abgleichen müssen, das heißt auf- und abwickeln. Aber das können wir auch beim Fernsehen. Die XYL freut sich sicher.

Doch ist eine solche Helix oder Helical Antenne besser als eine mit einer simplen Verlängerungsspule? Lohnt sich der Aufwand?

Ich denke nein. Eine gute Verlängerungsspule mit einer hohen Güte ist m.E. die bessere Lösung. Eine Analyse mit dem Antennenprogramm MMANA-GAL deutet auch in diese Richtung. Vielleicht sind Helixantennen für KW eine Glaubensfrage, wie so vieles im Leben. Auch ich hatte eine Zeit, wo ich an diese Antennenform glaubte und ich habe sogar eine für 136 kHz gebaut, 18m hoch mit Dachkapazität. Ein Monstrum, das den Lothar nicht überlebt hat.

73 de Anton

Bild: Seele 18, Treibgut am Strand von Bornholm.

Ärger mit der Fresnel-Zone?

Auf der Sphinx im Jungfraujoch, zwischen den Viertausendern Mönch und Jungfrau, liegt der höchstgelegene Umsetzer Europas (3571 m über Meer). Das FM-Relais läuft auf Kanal R50 mit 1293.900/1258.900 MHz im 23 cm Band. Wenn ich von meinem Dachfenster über die Dachkante schiele, kann ich bei sehr klarem Wetter die Sphinx in ca. 70km Entfernung gerade noch von Auge erahnen. Zumindest mit der neusten Brille von ….

Doch das Relais reagiert nicht auf mein Signal aus dem neuen IC-910. Da kann ich die vertikal polarisierte 21 Element-Yagi drehen wie ich will. nach dem Durchchecken von Gerät und Antenne, kommen mir zurzeit nur drei mögliche Ursachen in den Sinn:

1. Das Relais ist abgeschaltet

2. Der Operateur hat ein Brett vor dem Kopf und macht einen Bedienungsfehler

3. Die Fresnelzone ärgert mich

Bei einer Sichtverbindung entsteht eine zusätzliche Dämpfung, wenn die Fresnelzone durch Hindernisse verletzt wird. Sie definiert sich durch ein Rotations-Ellipsoid um die Verbindungsachse, mit den beiden Antennen als Brennpunkte. Es ist umso “dicker”, je tiefer die Wellenlänge ist. Nachdem ich jedoch den Fresnelrechner konsultiert habe, kann ich diese Theorie wieder auf Eis legen. Zumal der ebenfalls auf der Sphinx installierte Bakensender auf 432.432 mit einem Schraubenzieher in der Antennenbuchse zu empfangen ist.

Ich werde wohl nochmals den Operateur überprüfen müssen :-)

73 de Anton

Bilder: von Peter, HB9CGQ. Der “Leuchtturm” auf dem Chaumont im Jura. Sein gelbes Blinken ist in der Nacht aus weiten Teilen des Mittellandes aus zu sehen.

 

Funken im Wald

Nach den letzten Regentagen schiessen nun die Pilze aus dem Boden. Für Pilzsammler wie mich herrscht Hochsaison. Neuerdings jeden Tag, da unser Kanton (FR) die Schontage abgeschafft hat. Einzig auf die Jäger muss man noch aufpassen, die schiessen nämlich auch. Doch wie ist es mit dem Funken im Wald? Antennenmasten hätte es ja genug!

Bereits die CB Funker wissen, dass es im Wald nicht ganz so gut geht, wie auf der grünen Wiese, und das trifft natürlich auch für das 10m Amateurfunkband zu. Vertikal polarisierte Wellen werden dabei stärker gedämpft als horizontale. Mit Vertikalantennen kann man im tiefen Wald bald mal einige dB verlieren. Bei DX-Verkehr ist es nicht so schlimm, da die Wellen ja den Wald nach kurzer Distanz in Richtung Ionosphäre verlassen. Im 11/10m Band muss dabei mit etwa 3dB Verlust bei vertikaler Polaristation gerechnet werden.

Je höher die Frequenz, desto schlimmer wird es. Im 2m Band kann die Dämpfung schon mal über 10dB betragen, wenn die Wellen sich über längere Strecken durch die Bäume kämpfen müssen. Auch hier ist die vertikale Polarisation wieder benachteiligt. Erschwerend kommen die vielen Reflektionen durch die Bäume hinzu, was zu einem ausgeprägten Fading führt. Fuchsjäger wissen, dass im Wald 2m-Füchse schwer zu peilen sind.

Auf UHF wird es dann noch schwieriger. PMR Benutzer wissen, dass die Reichweite in Wäldern drastisch eingeschränkt ist, und wir Funkamateure haben die Erfahrung gemacht, dass auf 70cm und höher auch bewaldete Hügel recht gute Reflektoren sind.

73 de Anton

Input

Daniel, HB9COZ, hat mich auf eine Modifikation für das Mikrofon des FT-817 aufmerksam gemacht. Wie gut der Umbau von M0UKD ist, kann ich jedoch nicht verifizieren. Ich besitze (noch) kein FT-817.

Das kann sich ja in der nächsten Zeit noch ändern. Denn die Einkaufsbedingungen sind so gut wie noch nie. Der Schweizer Franken hat gegenüber dem Euro fast die Parität erreicht und der Dollar liegt unter 75 Rappen. Vielleicht geht’s ja noch weiter runter. Doch bevor das Finanzkartenhaus der Welt endgültig zusammenbricht, den Schuldenberg unter sich begräbt und auch die Schweizer Wirtschaft zerbröselt, sollte man seine Schäfchen noch ins Trockene bringen. Darum mein Rat: kauft was das Zeug hält! Und zwar nicht nur Schnaps und Zigaretten, sondern auch all die Geräte, von denen ihr bisher geträumt habt. Wenn die Krise da ist, werdet ihr es ganz bestimmt nicht mehr tun.

Ihr befürchtet, euer Budget könnte in Schieflage geraten? Macht nichts. Geld kann man nicht essen, sagt man. Und ich habe auch noch nie davon gehört, dass man damit funken kann :-)

Apropos: ich habe doch noch einen IC-910 mit 23cm Unit auftreiben können. Waters & Stanton aus London konnte liefern. Und wie immer ist die Abwicklung rasch und professionell. Jetzt brauche ich nur noch ein wenig Zubehör, wie das CW Filter und den TCXO. Die DSP Unit spar ich mir, ein Notch-Filter habe ich auf UKW noch nie gebraucht und ein wenig rauschen schadet auch nicht :-) Im Gegenteil: wenn man lange genug dem Rauschen zuhört, kann man Signale vernehmen, die man normalerweise nie finden würde. Wir Menschen sind Meister im Erkennen von Mustern. Darum lieben wir das Analoge.

Werner, HB9US, hat am Montag eine Vermutung geäussert, wieso sich die digitale Armbanduhr nicht durchgesetzt hat. “Wenn wir auf die Uhr schauen, wollen wir meistens nicht wissen, wie spät es ist, sondern wieviel Zeit uns noch bleibt. Bei der Analoguhr sehen wir das auf einen Blick, bei der Digitaluhr müssen wir rechnen.” Das hat was, und ich habe mich gefragt, wieso unsere Funkgeräte nicht zu analogen Skalen zurückgekehrt sind. Ob es daran liegt, dass wir einfach nur die Frequenz wissen wollen, und nicht, “wieviel Frequenz uns noch bleibt” :-)

Wahrscheinlich ist es aber eine Frage der Präzision und des Preises. Mechanik ist eben viel teurer als Elektronik.

Obwohl…es gibt doch nichts Schöneres als eine wundervolle Skala, rund oder gar linear, und dahinter ein Chassis voller Röhren, die im Dämmerlicht glühen.

Obwohl wir im Grunde alle analoge Wesen sind, können wir kaum mehr ohne das Digitale auskommen. Gerade wir Funkamateure nicht. Sogar die Langwellen-OM verabreden sich und tauschen Nachrichten übers Internet aus. Ihr Treffpunkt ist übrigens ein sogenannter Mail-Reflektor. Es genügt, eine Nachricht an den Hausmeister, an Majordomo@blacksheep.org mit leerer Betreffzeile und dem simplen Inhalt subscribe rsgb_lf_group zu senden, und schon ist man dabei und bekommt alle Mails, welche die Langwellenfreunde untereinander austauschen. Wenn’s zuviel wird, schickt man dann einfach eine Mail mit unsubscribe rsgb_lf_group an den Majordomo, wiederum ohne Betreffzeile.

Etwas anders laufen die Abmachungen am anderen Ende des Spektrums, auf VHF,UHF und den Mikrowellenbändern. Dort findet man sich in den Chaträumen von ON4KST.

73 de Anton

Bilderrätsel: Dazu ein Tipp. Einer meiner Funkfreunde streut von dem Zeug über jede Mahlzeit, die er zu sich nimmt ;-)

Der FT-818

…ist ein Gerät, das es nicht gibt. Auch wenn es eine Tages einen Nachfolger für den FT-817 geben sollte, ist fraglich ob er dann wirklich so aussehen würde, wie sich das G3XBM vorstellt: inklusive Automatiktuner und 23cm Band. Auch nach mehr als zehn Jahren ist der FT-817 von Yaesu konkurrenzlos. Und solange das so bleibt, ist die Motivation einen Nachfolger auf den Markt zu bringen für Yaesu gering. In all den Jahren wurde das Teil ja nicht einmal mit einem Sprachkompressor nachgebessert.

Doch wer weiss, vielleicht wird der FT-817 eines Tages gar ersatzlos gestrichen. Wie die letzte reinrassige VHF/UHF-Allmode Heimstation, der ICOM IC-910H. Zwar ist der Transceiver noch im Angebot vieler Händler und wird z.T. als Schnäppchen angepriesen. Doch auf Nachfrage heisst es dann, dass man leider nicht liefern kann. Aber man könne ja einen IC-9100 kaufen, notabene zum doppelten Preis. Ist der Durchlauferhitzer, der sich Fachhändler nennt, etwas cleverer, bietet er den Kenwood TS-2000 als Ersatz an. Aber nicht jeder OM möchte ein Gerät, das aussieht wie ein Ghettoblaster. Wer also neben 2m und 70cm noch das sehr interessante 23cm Band haben möchte, muss tief in die Tasche greifen und bekommt dafür noch etwas, was er vielleicht schon zur Genüge hat und gar nicht will: Kurzwelle mit allem Schnickschnack in Form einer eierlegenden Wollmilchsau.

73 de Anton

Bild: Seenot-Rettungsschiff im Hafen von Nexø

136 kHz – die Langwelle lebt

Dieses Wochenende stand wieder einmal die Langwelle im Vordergrund. Und entgegen allen Unkenrufen lebt das Band und normales CW wird auch noch gepflegt. Am Freitagmorgen hatte ich ein fast einstündiges CW QSO mit Stefan, DK7FC/p , in der Nähe von Nürnberg. Sein Signal bei mir war noch recht stark nach den ca. 400km Distanz. Meines war  weniger kräftig. Wie es sich bei Stefan anhörte, ist hier zu hören. Anschliessend hatte Stefan noch ein QSO mit PA0A, der bei ihm auch gut zu hören war. Doch bei mir war PA0A nur auf der Wasserfallanzeige von Argo zu sehen.

Heute morgen hatte ich nochmals ein CW QSO auf 136 kHz mit Iacopo, HB9DUL, in der Nähe von Lausanne, der immer noch einen 10W TX fährt und eine ziemlich bescheidene L-Antenne in nur 8m Höhe. Trotzdem hat es sehr gut geklappt. Kein Wunder, die Distanz zu Iacopo ist zehnmal geringer als zu Stefan. Aber Iacopo ist fleissig am Bauen und wird wohl bald gegen 20 dB Leistung mehr zur Verfügung haben.

Damit man nicht auf eine Gegenstation warten muss, um auf 136 kHz seinen Sender zu testen, gibt es ja die Grabber. Das ist etwa das gleiche wie ein Web-SDR, nur ohne Ton und viel langsamer :-) Ein neuer Grabber ist in Russland in Betrieb, bei RN3AUS in KO85ha. Wer sein Signal dort sehen kann, dürfte bereits zu den Top Shots auf 136 kHz gehören. Einen Zacken mehr braucht derjenige, der sein Signal auf dem Grabber von VE7TIL in CN89dk sehen möchte. Und auch dann gelingt das nur in extrem langsamem CW (QRSS). VE7TIL hat übrigens auch einen Grabber speziell für DCF39 laufen. Dieser 50 kW Sender auf 139 kHz, der bei Burg in Deutschland steht, ist ein ausgezeichneter Indikator für die Langwellenausbreitung über den Atlantik. Man kann bei der Beobachtung des DCF39-Signals aber auch erahnen, wie schwierig es ist, den Atlantik auf Langwelle mit Amateur-Mitteln zu überbrücken. Interessant ist übrigens auch sein VLF-Grabber und die Hörbeispiele von atmosphärischen Phänomen wie Sferics und Whistlers (zu finden innerhalb der VLF-Seite). Diese Radiosignale sind Geräusche des Planeten Erde.

Für langwellige (nicht langweilige) OM ist auch die Seite von PA2BCA interessant. Fasziniert hat mich u.a. sein 500Watt Transverter für 500 kHz. Ein interessantes Projekt für den Fall, dass wir ein 600m Band erhalten sollten.

73 de Anton

Bild: Begegnung mit der Tabor auf dem Rückweg von Friedrichshafen

Die Gyrofrequenz

Funkwellen lassen die Ionosphäre nicht “kalt”, wenn sie in sie eindringen. Sie lassen die freien Elektronen vibrieren. Ein Teil der Funkwellen wird dabei absorbiert, ein anderer zurück gestrahlt. Aber nicht nur die Funkwellen beeinflussen die Elektronen in der Ionosphäre, sondern auch das Magnetfeld der Erde. Es bestimmt, wie die Elektronen vibrieren sollen. Im Kurzwellenbereich lässt es die von der Funkwelle getroffenen Elektronen in einer elliptischen Bahn vibrieren. Je tiefer die Frequenz, desto grösser wird die Ellipse, und bei 1400 kHz wird die Bahn der angeregten Elektronen spiralförmig. Die Funkwellen werden dabei praktisch vollständig absorbiert. Darum nennt man diese Frequenz  die Gyro-Frequenz. Je näher wir also der Gyro-Frequenz kommen, desto grösser ist die Absorption während des Tages durch die D-Schicht. Das merken wir nicht nur beim Empfang von Radiostationen auf Mittelwelle, sondern auch beim Funkbetrieb im 160m Band. Bei 1.8 MHz mehr als bei 2MHz.

Und weil das Magnetfeld der Erde an dieser Gyro-Frequenz, bzw. an den Bahnen der angeregten Elektronen “schuld” ist, wirken sich Magnetstürme auf die Wellenausbreitung aus.  Wegen der Nähe zur Gyro-Frequenz ist die Wellenausbreitung im 160m Band eine komplexe Geschichte und schwer prognostizierbar. Aber auch weit über der Gyrofrequenz spürt man noch den Einfluss des Erdmagnetfeldes, und sogar auf 136 kHz beeinflusst es noch die Ausbreitung.   Daher ist der Kp-Index bei der Wellenausbreitung von grosser Bedeutung. Er zeigt die Stärke der Störung des Magnetfeldes. Ist er hoch, ist die Funkausbreitung beeinträchtigt, bzw. verhalten sich die Wellen nicht so wie wir es gewohnt sind. Vor allem in der Nähe der Magnetpole. Diese Pole sind übrigens nicht mit der Rotationsachse, also den geografischen Polen der Erde, identisch. Der magnetische Nordpol befindet sich zurzeit im Norden Kanadas und wandert mit einer Geschwindigkeit von 90m pro Tag Richtung Sibirien. Auch hat man festgestellt, dass sich das Erdmagnetfeld laufend abschwächt – in den vergangenen hundert Jahren um etwa 6 %. Und es gibt bereits Löcher im Magnetfeld. Die Forscher vermuten deshalb, dass wir uns einem Polsprung nähern, bei der sich die Erde umpolt. Ein solcher Polsprung fand in der Vergangenheit etwa alle 250’000 Jahre statt, und der nächste ist schon lange überfällig. Die Umpolung erfolgt übrigens nicht sprunghaft, wie der Ausdruck Polsprung suggeriert, sondern dauert Jahrhunderte oder Jahrtausende. Während dieser Zeit herrschen chaotische magnetische Verhältnisse. Kompasse werden unbrauchbar, Zugvögel orientierungslos und das Leben auf der Erde ist dem Sonnenwind ohne Magnetschutzschild stark ausgesetzt, mit entsprechenden Auswirkungen auf die DNA. Da sind die zu erwartenden chaotischen Funkbedingungen noch das geringste Übel. Doch keine Sorge! Wir alle werden einen eventuellen Polsprung kaum mehr erleben. Es dauert höchstwahrscheinlich noch eine “Weile” :-)

73 de Anton

Bild: nochmals ein Bild von der SOTA-Expedition von Cami, HB9EXF. Diesmal aus dem Tal.

SOTA

Das Einzige was uns hierzulande fehlt ist das Meer. Daher können wir nicht einfach an einem Wochenende rausfahren und eine IOTA-Insel aktivieren. Dafür gibt es massenweise Berggipfel und das SOTA (Summits on the air). Man kann damit zwei wunderbare Hobbys vereinen: Funken und Bergwandern, bzw. Bergsteigen. Leider ist mein Innenohr leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, so dass ich weder fürs Bergsteigen noch für Schifffahrten zu Meeresinseln geeignet bin. Aber mein Funkkollege Cami, HB9EXF, hat da keine Probleme. Kürzlich war er auf dem Piz Tgietschen 2854m.ü.M (HB/GR-248) und hat von dort einige  QSO’s auf 40 und 17 Meter getätigt.

Ich habe mich immer gefragt, wieso SOTA-Expeditionen Masten auf Berge schleppen um dort die wunderlichsten Antennengebilde zu errichten. Und so gab ich Cami den Rat, einen Dipol einfach ans Gipfelkreuz zu hängen, zwischen zwei Steintürmen aufzuspannen oder im schlimmsten Fall einfach auf den Boden zu legen. Denn Stein (und Eis!) ist nicht nur ein recht guter Isolator, er hat auch eine gute Permittivität, bzw. dielektrische Leitfähigkeit. Der steinige Gipfel eines Berges stellt keineswegs “die Erde” dar, die sich fest im Schwarmgedächtnis der Öhmer verankert hat. “Ground” gibt es auf Bergipfeln nicht. Darum ist es auch unerlässlich, dort oben einen Dipol zu verwenden. Sonst sucht sich die HF das Gegengewicht im Koaxmantel, im Gehäuse des Funkgerätes und im OM selbst :-)

“Wo keine Erde ist, da lass dich ruhig nieder”. Der Felsen mag zwar, je nach Zusammensetzung, die Wellen etwas dämpfen und die Abstrahlung etwas nach oben “drücken”. Doch der Einfluss wird oft unterschätzt. Auch wenn der Dipol nur einen Meter über den Felsen hängt, so ist er unter Umständen besser als ein Dipol zehn Meter über der saftigen Wiese unten im Tal.

Auch riet ich Cami, auf einen resonanten Dipol zu verzichten, und die Anpassarbeit seinem Tuner anzuvertrauen. Eine Antenne muss nicht resonant sein, damit sie strahlt. Nur die Anpassung muss stimmen. Diese kann ruhig beim Sender vorgenommen werden. Viel Koax wird man ja kaum auf einen Berggipfel schleppen.

So hat man mehr Zeit, die Aussicht zu geniessen und QSO’s zu fahren.

73 de Anton

PS. Bilder von HB9EXF, vielen Dank Cami!